Angehörige

  • Bei der Inhaftierung des Partners treten meist einschneidende Veränderungen auf,
    sei es die Innerfamiliäre, die Finanzielle oder auch bei der Alltagsbewältigung.
    Es gibt genügend Anlaufstellen, die einem unter die Arme greifen -einfach mal googeln was in der Nähe ist und auch diese Hilfe annehmen.
    Ich wusste z.B. vorher nicht, das Fahrtkosten zu einer JVA, für die nächsten Angehörigen von den zuständigen Stellen meist übernommen werden.


    Oft lese ich in den Foren, was die Angehörigen alles wissen und erledigen wollen was die Anstalt betrifft.
    Es ist vollkommen nachvollziehbar, das man sich Sorgen und Gedanken macht, aber man muß sich nicht selber verrückt machen.


    Fakt ist:
    Der Angehörige ist im Gefängnis.
    Ihm geht es den Umständen entsprechend gut, soll heissen, er hat zu Essen, zu Trinken und nen “Dach” über den Kopf, für ihn ist gesorgt!
    Er braucht sich darum keine Gedanken machen, wie manche von uns “Hinterbliebenen” - denen auf einmal ein Verdienst fehlt und mit ganz wenig Geld zurecht kommen müssen.


    Alles was die Anstalt betrifft, darüber weiß er selber am besten Bescheid - er sitzt schliesslich an der Quelle.
    Als erstes wird er sich die Hausordnung durchlesen, wo alles wichtige drin steht und die restlichen Dinge erfährt er von Mitgefangenen.


    Klar man will helfen, aber man sollte ihn nicht wie ein kleines unmündiges Kind behandeln, dem man die ganze Arbeit abnimmt.
    Er hat genug Zeit, seine wichtigen Briefe etc. selbst zu schreiben. Persönlich finde ich es nicht gut, wenn Post an StA, Richter, Anwalt, Anstaltsleiter usw. nicht vom Inhaftierten selber geschrieben werden -macht so einen unselbstständigen Eindruck (finde ich)


    Geduld ist das erste und wichtigste was man in dieser Zeit lernen sollte.


    Die Mühlen der Justiz mahlen wirklich langsam, egal in welchem Bereich heißt es immer warten, warten, warten.


    Es geht in den meisten Fällen alles seinen geregelten Gang, wo wir auch oft nichts von mitbekommen
    .
    Die Post in der U-Haft dauert nun mal solang, vielleicht weil der Zuständige gerade Urlaub hat, krank ist, viel Arbeit hat etc. Später in Strafhaft hat die Post ihre normale Zustelldauer.


    Anträge in der Anstalt brauchen auch ihre Zeit, auch ein Beamten-Tag hat nur 24 Std und er hat sicherlich nicht nur einen Antrag zu bearbeiten.
    Bei wichtigen Anträgen z.B. erste Lockerungen geht es nun mal nicht so schnell, da müssen Stellungnahmen von verschieden Beteiligten eingeholt werden (Psychologe, Sozialarbeiter, Vollzugsdienst, Arbeitsbereich, Bereichsleitung usw.) bevor die Anstaltsleitung den Antrag befürwortet oder ablehnt. Soll heissen, die Akte ist in Umlauf, nur der Gefangenen bekommt das nicht mit, daher erscheint es so als wäre Willkür mit ihm Spiel.


    Erfahrungen sind nicht übertragbar
    Jeder Fall ist anders, was für den einen gilt, muss nicht für den anderen gelten.
    Überhaupt ist in den Gesetzen immer von einem “kann” und “soll” die Rede es gibt kein Anrecht darauf.
    “Als Ersttäter wirst du auf jeden Fall zum 2/3 Termin gelockert, die müssen dir Urlaub geben, die müssen dir LZB geben, wenn man verheiratet ist usw.”
    Das stimmt nicht, es gibt die Möglichkeit dazu und die wird immer im Einzelfall und nach eingehender Prüfung getroffen.


    Das allerwichtigste, in dieser Zeit wo der Partner inhaftiert ist, auch an sich selbst zu denken!!!


    Ich könnte manchmal laut schreien, wenn ich lese, wie die Partnerinnen nur von einem Brief zum nächsten, oder von einem Besuch zum anderen leben, alles dreht sich nur noch um den Inhaftierten.


    Er ist eingesperrt, nicht ihr.....also lebt euer Leben weiterhin. Geht raus, trefft euch mit Freunden, lenkt euch ab.


    Er hat die Straftat begangen -nicht ihr, das konnte er ja immerhin auch allein!


    Zieht euch nicht zurück und grübelt nur, damit macht ihr euch verrückt und belastet euch psychisch noch mehr.


    Besucht ihm so oft es geht, schreibt ihm so viel ihr mögt, damit zeigt ihr ihm das ihr weiterhin zu ihm steht und das wird er auch erkennen.


    Begleitet ihn auf den Knastweg der vor euch liegt, aber sperrt euch selber nicht mit ein.


    Und nun zum Schluß:
    Seid ehrlich zu eurem Partner, es kann durchaus passieren das ihr eine neue Liebe kennenlernt, was bei einer längeren “Wartezeit” gar nicht mal so selten vorkommt.
    Auch wenn´s schwerfällt, seid fair und sprecht mit eurem Partner rechtzeitig, nicht 2 Tage vor der Entlassung, das hat manch einem schon zum Ausrasten gebracht und erneut in staatlicher Obhut


    Jeder Anfang hat ein Ende wobei dieses Ende ein neuer Anfang sein wird


    18.03.2009 - 05.10.2011

    Einmal editiert, zuletzt von waldfee60 ()

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