Vor-Knast-Koller

  • Hallöchen ihr Lieben,


    ich könnte meinen Mann momentan dauer erschlagen. :autsch:
    Ich weiß echt nicht, was in ihn gefahren ist. Wir haben nun noch zweieinhalb Wochen, eh er seinen Haftantritt hat und der Mister zickt jeden Tag rum. Wegen den sinnlosesten Sachen. Ich versuche immer ruhig zu bleiben und sage mir, du hast ihn nicht mehr lange. Bleib lieb.
    Ich hab ihn schon gefragt, ob er so rumzickt, weil er bald in den "Urlaub" muss und sich sozusagen jetzt schon abkapselt. Bestreit er natürlich.
    Er diskutiert auch über Sachen, wo ich nur den Kopf schütteln kann. Männer! :wutkoch:
    Sorry, ich musste mich mal abreagieren. Könnte ihn momentan so in den Hintern treten

  • Hallo Fines Mama,


    die ganze Aktion mit deinem Mann liest sich für mich wie reine Torschluss Panik!!!
    Er weiß jetzt wahrscheinlich nich mehr was richtig und was falsch is.
    Er weiß auch nimmer wo vorn und hinten is.
    Er wird innerlich so aufgewühlt sein das ihm alles egal erscheint.


    Für uns die wo die Knast Zeit in Freiheit verbringen ändert sich von der Sache her nicht soviel wie für den jenigen wo rein muss.
    Wir haben weiterhin unsere 4 Wände und unsere gewohnte Umgebung, Familie, Freunde ect. Das einzige was wir nicht mehr haben ist den Partner.


    Für ihn ändert sich einiges mehr, neue ungewohnte Umgebung, Freiheitsentzug, Mithäftlinge die ihm fremd sind und auch immer die Angst im Nacken draußen alles zu verlieren was ihm lieb ist.


    Klar ist das jetzt sehr anstrengend ihn so ertragen zu müssen. Aber glaub mir, wenn er erst mal drin sitzt wird ihm alles leid tun was er dir bis zur Inhaftierung angetan hat. Ihm ist das jetzt glaube ich alles nicht wirklich bewusst. Er sieht wahrscheinlich nur noch die Gitterstäbe vor sich und mehr nicht.


    Ich hoffe ich konnte dir bissi den Wind aus den Segeln nehmen. Irgendwie versteh ich beide Seiten. Dich nervt es und er zählt eigentl. schon die Stunden bis zur Inhaftierung. Ich wünsche euch dennoch alles gute für die bevorstehende Zeit die nicht immer einfach sein wird für beide Seiten.


    LG Etzi

    Haftantritt 21.7.2012 Entlassung 14.7.2014


    EVER, EVER, EVER DAHOAM

  • Das weiß ich ja alles, deswegen habe ich ja auch hier geschimpft und nicht ihm gegenüber. Aber es ist eben auch einfach schwierig die ganze Zeit verständnis für ihn zu haben. Ich meine wir hier draußen sind genauso bestraft wie er. Nicht nur, dass er mir und der Kleinen unendlich fehlen wird. Es bleibt ja auch alles an uns hängen, mit nur noch einem Einkommen.
    Aber anstatt er da die Bälle ein wenig flach hält, fängt er die deppernsten Diskussionen an. grr
    Aber ich liebe ihn ja trotzdem ;)

  • Ich geb meinen Senf nun auch mal dazu.
    Etzi, du schreibst, für uns ändert sich nicht viel.
    Da muss ich wiedersprechen.
    Es gibt einige bei denen sich fast das ganze Leben ändert.
    Raus aus der Wohnung, Freunde wenden sich ab, auch die Familie usw.
    Auch ich stand mit dem ganzen Kram alleine da.
    Meine Geschichte kennst Du sicher.
    Das er nun kurz vor knapp ein wenig am Rad dreht, lässt sich nachvollziehen. War bei meinem Mann auch so.
    Und das war auch während der Haftzeit so.
    Manche finden sich damit ab im Knast zu sitzen und andere wieder nicht.


    Fazit: Für beide eine scheiß Zeit!


    VG
    Lydia

    Nicht alle sind glücklich die glücklich scheinen, manche lachen nur um nicht zu weinen. :zwink:

  • Das sehe ich genauso wie Lydia.
    Ich habe zum Glück meine Familie und meine Freunde. Auch wenn meine Familie nicht unbedingt hinter meinem Mann steht, stehen sie hinter mir und der Kleinen. Ich habe gute Freunde, jetzt weniger aber die, die da sind, sind echte Freunde.


    Aber es wird hier auch extrem hart werden, ich habe einen neuen Job suchen müssen, weil Schichtdienst ohne ihn nicht mehr möglich ist. Ich muss finanziell schauen wie ich über die Runden komme. Ich kann zum Glück unsere Wohnung halten und wir sprechen ja auch über einen überschaubaren Zeitraum, aber Angst habe ich genauso wie er vor der Zeit. Nur, dass meine Zeit sicherlich schneller vergeht als seine.


    Ich will damit sagen, dass ich verstehe, dass er Angst hat. Aber ich versuche die letzte Zeit zu genießen und mit seinen Zicken ist das schwierig.
    Wir haben ja auch die U-Haft hinter uns und wissen, was wir zu erwarten haben. Das nimmt mir ein wenig die Angst, außerdem haben wir diesmal auch ein Zeitindex vor uns und steuern nicht so in das Ungewisse wie während der U-Haft.


    Außerdem ist er zusätzlich noch typisch Mann und redet nicht mit mir über seine Angst!
    Entschuldigt, dass Chaos in meinem Geschriebenen. Sortieren in meinem Kopf ist gerade nicht so einfach :dong:

  • Die Zeit die Euch noch bleibt zu genießen, gestaltet sich ja doch schwer.
    Und ich weiß auch grad nicht, on man das genießen nennen kann.
    Denn auch Du schreibst ja hast Angst vor dieser Zeit, die da auf Euch zu kommt. Da kommt der Genuss schon zu kurz.
    Aber das was Du möchtest verstehe ich.
    Ich schrieb ja, das mein Mann auch ziemlich schwierig war, während dieser Zeit und ich mit Sicherheit auch.
    Nur was soll man Dir raten?
    Keine Ahnung.
    Ich habe damals lieber einmal mehr gelächelt, obwohl gedacht habe ich"boah jetzt halt doch einfach mal die Fresse", und noch so andere sachen. :whistling:
    Einfach nur um den sinnlosen Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Einfach nur um während dieser kurzen Zeit die einem ja noch bleibt, Ruhe und Frieden zu haben.
    Du nennst das "zeit gemießen".


    LG
    Ly

    Nicht alle sind glücklich die glücklich scheinen, manche lachen nur um nicht zu weinen. :zwink:

  • Hallo


    Hmm....schwer Dir zu raten, weil jeder geht ja anders mit der Situation um.
    Aber ich kenne das auch , 14 Tage vor seinem Haftantritt war auch mein Ex-mann damals unausstehtlich. Anfangs dachte ich noch ich kann mit ihm darüber reden, aber genau wie Deiner blockte er alles ab. Genau wie Lydia habe ich vieles was er damals sagte und tat, nur mit einem Auge gesehen und nur mit einem Ohr zugehört, bin sinnlosen Diskussionen aus dem Weg gegangen. Ehrlich gesagt war ich froh als ich ihn dann endlich in der JVA abliefern konnte. Er hatte dann auch Zeit über sein Verhalten nach zu denken und meinte eines Tages, dass er aus Angst vor der Zeit da drin, so ungerecht und besch.......mit uns allen, mir und unseren Kids umgegangen ist.


    LG
    maximus

    Meine Vergangenheit ist Geschichte...meine Zukunft mein Geheimnis und jeder Augenblick ein Geschenk

  • Zeit genießen ist sicherlich das falsche Wort, aber ich möchte die Zeit sicher nicht mit Diskussionen verschwenden über Entscheidungen die schon lange gefallen sind oder eh nicht mehr zu ändern sind.


    Es ist schon verrückt, wie schnell die Zeit plötzlich vergeht. Da sind die vier Monate Haftaufschub unter meinen Fingern weggelitten wie nichts. Und jetzt reden wir nicht mal mehr über 20 Tage. Himmel!


    Wir sind nun "leider" auch ein paar, was echt viel zusammen macht und täglich sehr sehr oft telefoniert. Auch um einfach nur zu sagen, ich liebe dich oder um zu diskutieren :D


    Vor zwei Monaten hatte ich echt mal das Gefühl, dass er sowohl mich als auch die Kleine von sich wegschiebt. Ich hatte die Vermutung, dass er mich in Richtung einer Trennung schieben wollte, damit es für mich einfacher ist. Hat er natürlich bestritten, aber Männer denken eben manchmal verrückt. :wutkoch:
    Nun ja, wie Lydia und Maximus schon sagen. Augen zu und durch. Obwohl ich es sicher nicht genießen werde, ihn an der JVA abzugeben.


    Mal OT, kann ich eigentlich die Besuchserlaubnis schon vor dem Haftantritt beantragen?

  • Hallo,


    ich weiß sehr gut, was du meinst. ;( leider.


    Bei uns ist der Haftantritt jetzt schon über ein Jahr her, aber ich kann mich noch sehr gut an die Tage erinnern, nachdem der Stellungsbefehl kam. Horror, der pure, blanke Horror.
    Es hat ihn Alles, aber wirklich Alles gestört und sofort auf die Palme gebracht. Zu warm, zu kalt, zu blau, zu hell, zu Dienstag, was weiß ich...
    Ich war 'froh', als dann endlich der Tag da war und diese Spannung und der Druck weg waren.
    Ich hätte es damals keinen Tag länger ertragen können.


    Kann allerdings auch deinen Mann verstehen. Die Angst kann sich, glaube ich, niemand vorstellen, der es nicht selber erlebt hat.


    Also: Kopf hoch, wird auch wieder besser.



    Zitat

    Etzi, du schreibst, für uns ändert sich nicht viel.
    Da muss ich wiedersprechen.
    Es gibt einige bei denen sich fast das ganze Leben ändert.
    Raus aus der Wohnung, Freunde wenden sich ab, auch die Familie usw.
    Auch ich stand mit dem ganzen Kram alleine da.


    Da stimme ich die zu. Ich bin auch mit Allem allein.
    Erst Freunde weg, Familie war lange vorher schon weg; 2 Monate vorher erst noch Umzug 400km quer durch die Republik, dann raus aus dem Haus in eine kleine Wohnung; Hund musste weg; Auto geht nächsten Monat aus, weil TÜV abläuft und Reparatur zu teuer ist; großer Sohn(12) läuft in der Schule aus dem Ruder, Lehrer geben mir und Umständen Schuld (Kinderpsychologe findet, dass er altersgerecht sch... ist und ich die Situation erstaunlich gut meistere); kleiner Sohn (knapp 2) hat anfänlich stark gefremdelt und hat Papa nicht mal ansehen wollen; das ungute Gefühl vor jedem Besuch in der JVA; Zweifel an den Lebensentscheidungen und der Beziehung; etc., etc., etc..


    Dazu fehlt einem der Partner, bei dem man nach Bedarf sein Herz ausschütten und reden kann, nicht nach fremdbestimmtem Stundenplan.


    Ich könnte die Reihe noch fast endlos fortsetzen.


    Ich war vorbereitet und ich war schon vor 10 Jahren in einer ähnlichen Situation. D.h. alleinerziehend und alleinverantwortlich, ich hatte also ein bisschen Übung, auch wenn ich damals noch ein großes Netzwerk an Freunden, Bekannten und Familie hatte.


    Auch das allergrößte Chaos bekommt mit der Zeit Struktur und hat ja auch irgendwann ein Ende. Wenn wir Glück haben, dann haben wir den Mist in 7 Monaten hinter uns und mit ganz viel Daumen drücken und beten, werden es vielleicht nur noch 2-3 Monate. :daumen:
    Auch die schlimmste Zeit geht einmal vorrüber und man wundert sich nachher, wie schnell das eigentlich ging.



    In diesem Sinn wünsche ich dir/euch ein sonniges Gemüt in den grauen Herbsttagen und sende liebe Grüße
    Mama Tembo

    Lache nie über jemanden, der ein paar Schritte zurück macht... Er könnte Anlauf nehmen!!!




  • Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie du dich fühlst.
    Es ist schlimm, einen Haftantritt zu haben.
    Mein Freund wurde in Polizeigewahrsam genommen Freitags und Samstags dem Haftrichter vorgeführt. Ich stand den ganzen Morgen am Hintereingang vom Amtsgericht weil mir kein Polizist sagen wollte, wann die Vorführung stattfindet. Als er dann im Auto kam durfte ich vom Richter aus kurz mit ihm reden. Er ist mit Handschellen ausgestiegen und wollte mich Umarmen... aber das ging nicht.
    Das einzige was er mir noch mit auf den Weg gegeben hat war "es tut mir leid" ... und dann war er Weg. Vom Amtsgericht direkt in U-Haft.


    Ich kann euch echt nur mitgeben, genießt die Zeit die ihr noch habt. Ihr werdet es bereuen wenn der Tag gekommenist an dem er gehen muss.


    Liebe Grüße,
    Alicia :-)