Therapie trotz Strafe

  • Hallöchen Zusammen :)

    Heute war das Berufungsverfahren meines Verlobten. Wie erwartet ist es nicht zu seinem Gunsten ausgegangen. Nach der Verhandlung hatte ich ein langes Gespräch mit seinem Rechtsanwalt, Was jetzt noch strafmildernd und positiv für ihn auffallen kann. Er erzählte mir von der Möglichkeit auf Paragraph 35. Also Therapie statt Strafe. Er meinte zu mir das die therapie ca. 6-8 Monate dauert (je nachdem wie er sich therapieren lässt)

    Keiner seiner Strafen sind über 2 Jahre. Allerdings sind es so einige (in allen Fällen steht btm im Gerichtsurteil als Grund seiner Strafen)

    Er soll jetzt auf die gesamtfreiheitsstrafe warten und dann Therapie beantragen. Was ich allerdings komisch finde und nicht so ganz verstehe (Justiz ist für mich wie japanisch) der Rechtsanwalt meinte nach Beendigung der Therapie mit Erfolg könnte er Chancen haben das alle seine Strafen zurück gestellt werden.

    Kennt sich jemand damit aus und könnte mir das erklären?

    Das heißt dann also das er nach nur 6-8 Monate Ca. Frei wäre mit Bewährung ? Obwohl 2/3 Min. 3 1/2 Jahre wären?

    (Habe mir schon einiges dazu durchgelesen aber was ist mit der reststrafe?)

    Danke an alle Antworten in voraus :) <3

  • Hallo Charismatica


    Ja das ist so, wenn er seine Therapie erfolgreich abschließt kann der Rest auf Bewährung sein. Die Strafe muss aber unter 2 Jahren bleiben bzw. darf nicht mehr als 2 Jahre betragen. ( war bei meinem so)

    Allerdings darf er in der Zeit nicht rückfällig werden (war bei meinem leider auch so) und er muss sich an seine Bewährungsauflagen halten. Sprich eventuell ambulante Therapie weiter machen. Zur Führungsaufsicht gehen und so weiter. Nur es dauert auch bis so eine Therapie genehmigt wird und er auch einen geeigneten Platz hat.

    Lg Mei

  • Hallo Charismatica,

    Mei hat schon vieles richtig erklärt. Der Strafrest muss bei allen Strafen unter 2 Jahre liegen. Addiert wird nicht, deswegen kommt das auch bei mehreren Strafen in Betracht. Rückstellungsfähig sind die Strafen, die aufgrund einer Betäubungsmittelabhängigkeit geschehen. Der Zurückstellungsantrag muss bei der StA gestellt werden, die dafür zuständig ist. Das Gericht erster Instanz muss der Zurückstellung zustimmen. Häufig steht das schon im Urteil drin. Wenn nicht leitet die StA die Akte dem Gericht zur Stellungnahme zu.

    Bei mehreren Strafen kann es sein, dass man die Zustimmungen von mehreren Staatsanwälten und Gerichten braucht, was die Sache komplizierter macht. Das ist aber nur dann der Fall, wenn die Sachen bei verschiedenen Staatsanwaltschaften und Gerichten abgehandelt wurden.

    Er muss einen Kostenträger finden, der die Therapie finanziert. Häufig ist das der Rentenversicherungsträger. Die Therapiekonzepte weichen voneinander ab, sodass man sich in Ruhe ansehen sollte, welche Einrichtung passt. Die Therapiedauer von 6-8 Monaten ist realistisch. Häufig werden im Anschluss Adaptionsmaßnahmen angeboten. Auch das sollte man sich ernsthaft überlegen, weil dies sehr sinnvoll ist.

    Wichtig wäre, dass er bereits jetzt die Angebote nutzt, die in der JVA für eine Therapievorbereitung angeboten werden. Dies sind häufig Selbsthilfegruppen und Suchtberatungen. Der Kostenträger verlangt häufig eine solche Teilnahme, bevor er eine Kostenzusage gibt, um die Ernsthaftigkeit des Therapiewillens zu testen.