Kein Glaube mehr an einen Rechtsstaat

  • ..ich werde beim nächstenmal einfach meine Klappe halten.Aber als Entschuldigung : es ist alles noch so frisch und ich kann mir kaum mal irgendwo Luft machen.😢

    Musste nicht....ich mein...wozu ist das Forum da....für den Austausch. Hier gilt doch das gleiche Recht für alle....freie Meinungsäusserung.

    Wie immer es kommt drauf an wie man schreibt, denn am Ende macht immer noch der Ton die Musik.

    Von allen Seiten wird man nun mit Emails und PN's bombardiert, in dem sich die eine Userin über die andere beschwert, im Thread herrscht spätestens jetzt das Chaos, weil der Admin mit dem lesen und schreiben nicht mehr nachkommt.

    Und da hab ich kein Verständnis dafür...was kann Chris für Antworten die dem Fragenden/Schreibenden nicht gefallen...nix....daher sollte man doch so fair sein...und das erstmal untereinander klären, wenn man denn will, bevor man den Admin miteinbeziehe. Warum sich über andere Mitglieder beschweren. Wenn ich eine Frage stelle...oder Erfahrungen mitteile...muss ich auch damit rechnen, Antworte zu bekommen die mir nicht gefallen, mit denen ich nicht einverstanden bin.


    Zumal dieses Thema wirklich aus eigenen Erfahrungen besteht.Auch ich hätte mir bei den Verfahren die ich hatte...ein anderes Ergebnis gewünscht, nur würd ich nicht soweit gehen und deswegen an unserem Rechtsstaat zweifeln.

    Ich lebe gerne hier

    In Deutschland wird alles richtig gemacht, jeder wird gerecht für seine Strafe verurteilt!

    Nö....wird es sicher nicht...und das weisst Du genau. Auch in der Justiz werden Fehler gemacht, wo Menschen arbeiten und urteilen ....es passiert....leider, auch wenn es nicht sein sollte.Und das auch sicher kein Trost ist für Dich .

    Und welches Urteil ist schon gerecht...es wird immer von 2 Seiten begutachtet, und immer wird es jemand geben...der es zu hart...der andere es für zuwenig hält.

    Fazit: Justita ist blind und wägt die Argumente mit der Waage über den Tastsinn ab. So ist das Idealbild der Gerechtigkeit. Also Tastsinn an - Sehsinn aus.

    Das Idealbild....wobei Ideale auch nicht unfehlbar sind.

    Meine Vergangenheit ist Geschichte...meine Zukunft mein Geheimnis und jeder Augenblick ein Geschenk

  • Hallo Unicorn40,


    Ich saß ebenfalls in U-Haft, wurde 2 mal einem Haftrichter vorgeführt und kenne die Geschichten vieler Gefangenen.

    Auch diese fühlten sich oft von der Justiz schlecht behandelt und es gab diverse Vorwürfe Staatsanwaltschaft wie Richter legen ihnen bewusst Steine in den Weg. Wenn dann aber mal etwas gebohrt wurde, Unterlagen gesichtet wurden oder mit anderen Häftlingen gesprochen wurde ergab das dann ein anderes Bild.


    Und auch bei Deinem Vorwürfen werde ich stutzig. Warum hast Du bis 2015 geglaubt Gerichte arbeiten genau? Zu dem Zeitpunkt gab es ja offensichtlich nur eine Anzeige, das Gericht war aber noch nicht involviert. Da wir nicht wissen, um welchen Sachverhalt es geht und welche Vorwürfe es gibt, ist es auch schwer zu beurteilen wie gut ein Gericht arbeitet.


    Allerdings wirft Deine Beschreibung Fragen auf. Warum gibt es ein Schreiben vom Jugendamt? Warum wird erst Klage eingereicht, ohne Deinen Mann vorher zu verhören, was vor dem Einreichen der Klage nach meinem Kentnissstand passieren muss. Warum noch die U-Haft, obwohl bereits die Anklageschrift zugestellt wurde? Entweder ist die Polizei bei Euch wirklich so stümperhaft, aber den Angeklagten vorwarnen und somit einen Grund zur Flucht geben ergibt wenig Sinn. Du schreibst dann, der Grund der U-Haft sei Wiederholungsgefahr. Das ergibt bei der Länge der Ermittlung auch wenig Sinn, denn eigentlich steht die U-Haft dann zu Beginn der Ermittlung und nicht nach Abschluss an.


    Da in Deinem Fall das Landgericht zuständig ist und es offensichtlich was mit Minderjährigen bzw Kindern zu tun hat, da Brief vom Jugendamt, wäre die Chance der U-Haft zu entgehen wohl eh sehr gering gewesen. Desweiteren muss das Gericht Haftprüfungen natürlich so legen, wie es dem Gericht passt. Was ich auch nicht ganz verstehe, Du schreibst so als sei die Haftrichterin als auch die Richterin der Hauptverhandlung die gleiche Person, was nach meinen Erfahrungen in der Zeitspanne von 6 Monaten unmöglich ist.


    Nun zu der Gerichtsverhandlung, wo ich auch etwas fragend zurück blieb. Du schreibst, ihr hattet Gegengutachten und Gegenbeweise. Auch ich wurde 3 mal begutachtet. Daher stelle ich mir die Frage wer Eure Gutachten wann erstellt hat. Da Dein Mann 6 Monate in U-Haft war, muss die Staatsanwaltschaft ja einem von Euch bestellten Gutachter erst die Erlaubnis geben ihn in Haft zu begutachten. So eine Begutachtung dauert auch. Wurde Dein Mann denn von einem Sachverständigen seitens des Gericht oder der Staatsanwaltschaft begutachtet?


    Auch verstehe ich nicht warum Gutachten und Beweise nicht vor der Verhandlung beim Gericht eingereicht wurden, um als Beweismittel überhaupt zugelassen zu werden. Die hätten ja im Vorfeld schon zur Entlastung führen können, so dass Dein Mann vielleicht entlassen worden wäre. Während der Verhandlung dann 40 Beweisanträge zu stellen, ist ein beliebtes Mittel um eine Verhandlung in die Länge zu ziehen. Eine Arbeitsbescheinigung für einen Tag hätte bereits Monate vorher eingereicht werden können, macht aber während der Verhandlung wenig Sinn da eine Überprüfung des Alibi wiederum die Verhandlung für Wochen unterbrochen hätte und Du schreibst selbst, "zumindest für einen Tag". Die Straftat (en) wurden somit über einen längeren Zeitraum begangen.


    Wie ein Gutachten gefälscht oder manipuliert sein soll erschließt sich mir auch nicht. Gutachten werden immer von Sachverständigen erstellt. Alle Sachverständige sind in der Verhandlung vor Ort und werden vom Gericht gehört. Gerade wenn eine Verhandlung 15 Tage dauert, müssen ja reichlich Zeugen gehört worden sein. Warum der Sachverständige lügen sollte erschließt sich mir nicht. Genauso wenig wie Aussagen von Familie, Freunde oder Bekannte, die natürlich befangen sind und offensichtlich so unwichtig sind, das Euer Anwalt diese vorher nicht hat bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft hat vernehmen lassen. In der Regel werden Verhandlungen auf Basis von Beweisen verhandelt, oder es steht Aussage gegen Aussage. Davon ist bei der Länge der Verhandlung aber nicht auszugehen. So oder so muss das Gericht entscheiden ob Zeugen glaubwürdig sind oder zur Wahrheitsfindung beitragen. Wenn das Gericht der Auffassung ist, dem ist nicht so, und würde die Verhandlung weiter in die Länge ziehen, muss das akzeptiert werden und kann dann bei der Berufung bzw Revision als Fehler vom Gericht eingereicht werden.


    Bezüglich keine Chance die Unschuld des Mannes zu beweisen: Du schreibst selber Ihr wusstet von der Anzeige, und das seit 2 Jahren. Da bleiben nur 2 Optionen: Der Geschädigte hat gesagt, er zeigt ihn an, oder es wurde Euch mitgeteilt dass eine Anzeige vorliegt. Da eine Androhung einer Anzeige nicht dazu führt dass man mit einem schriftlichen Einstellungsbescheid rechnet, gehe ich von Option 2 aus was bedeutet, er hat eine Ladung der Polizei erhalten bei der er vernommen wird und Zeugen nennen und Beweise vorlegen konnte die ihn von den Vorwürfen freisprechen können.


    Und die Vorwürfe gegen Deinen Mann sind ja offensichtlich schwerwiegend. Wie man da 2 Jahre in Ruhe sein Leben führt, ohne Angst vor einer Verhandlung und abwartet, statt die Sache aus der Welt zu schaffen ist für mich nicht nachvollziehbar. Aber jeder Mensch ist da wohl anders. Dazu passt auch das "Uns bleibt nur noch die Revision! Oder auch nicht!". Wenn ich unschuldig im Knast säße, müsste ich nicht lange über Berufung oder Revision nachdenken. So wie Du das schilderst müsstet Ihr doch auf eine rasche Verurteilung hoffen, so dass Ihr sofort Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen könnt und das mit Euren handfesten Beweisen untermauert. Das wird alles von einer ganz anderen Kammer und somit anderen Richter geprüft.


    Das es wenige Hilfe für Angehörige der Gefangenen gibt mag stimmen. Den Opfern oder geschädigten der Täter geht es aber auch nicht besser. Selbst Straftäter, die ihre Haft abgesessen haben, stehen in der Regel erstmal ziemlich doof in der Freiheit und wissen nichts mit ihr anzufangen. Die Frage ist auch welche Hilfe Du suchst. Finanzielle Hilfe? Dann würde ich mich ans Amt wenden. Seelischen Beistand? Da gibt es telefonische Hilfe oder hier in Foren. Hilfe, ihn als zu unrecht beschuldigten aus der Haft zu boxen wird es kaum geben und ist in erster Linie die Arbeit eines guten Anwalts.


    Den Vorwurf Deutschland sei kein Rechtsstaat und Gerechtigkeit gibt es nicht kann ich definitiv nicht so stehen lassen. Natürlich sind Richter und Staatsanwälte unterschiedlich. Aber in den 14 Jahren, in denen ich mit Richter/inen und Staatsanwälten zu tun hatte, war ich mit deren Urteilen logischerweise auch nicht immer einverstanden. Mit einem gewissen zeitlichen Abstand und nach Gesprächen mit Mitgefangenen hatte ich nie den Eindruck da sitzt jemand zu Unrecht. Damit erlaube ich mir kein Urteil ob Deine Erfahrungen der Wahrheit entsprechen oder es zu unrecht Verurteilte gibt, die gibt es ohne Frage.


    Allerdings sind Deine Zeilen mit soviel Vorwürfen gespickt, die ich nicht verstehe. Was hätte z.b. ein Staatsanwalt davon Gutachten zu fälschen oder zu manipuliere. Eine Staatsanwaltschaft behandelt so viele Fälle, für die ist Dein Mann nur ein Aktenzeichen ohne persönlichen Bezug. Das gleiche bei Richtern. Die prüfen nun mal anhand der Fallakte ob eine Anklage überhaupt zugelassen wird, und erst bei der Verhandlung sieht der Richter den Angeklagten und befragt ihn zur Tat um ihn in seiner Glaubwürdigkeit einzuschätzen. Auch die Geschichte als Dein Mann vor den Augen seines Sohnes abgeholt wurde, und natürlich die Waffe griffbereit hat klingt sehr einseitig. Kein Komissar oder Polizist weiß wie der Angeklagte bei seiner Verhaftung reagiert, deswegen kommen sie dann auch immer zu zweit oder sogar zu dritt. Zum einen um eine Flucht zu unterbinden und zum anderen damit direkt Kollegen als Zeugen da sind. Das sie Waffen tragen ist kein Geheimnis, und wenn Euer Sohn das mitbekommt ist das doof, aber eben nicht die Schuld der Polizei die ihren Job macht.


    Worauf ich aber hinaus will: weder Staatsanwaltschaft, Polizei noch Richter haben was davon Deinen Mann aus reiner Boshaftigkeit in den Knast zu bringen. Sie bekommen weder Provision, noch macht es denen Spaß. Es gibt während den Ermittlungen auch genügend Möglichkeiten Beschuldigte zu entlasten, das wird sogar in den Schreiben der Polizei ausdrücklich gewünscht und drauf hingewiesen. Wenn man trotz Wissen einer Anzeige sich nicht an der Auflösung des Sachverhalts beteiligt, ermittelt die Polizei natürlich auf eigene Faust und die Staatsanwaltschaft entscheidet dann ob Beweise für oder gegen eine Anklage sprechen. So oder so, es gibt immer eine Absicherung die dem Verurteilten zur Verfügung steht ohne das die Strafe größer wird.


    Am Ende möchte ich mich für die Textflut entschuldigen, aber ich finde es wichtig nicht blindlings auf unser Rechtssystem zu hauen sondern es auch mal differenzierter aus der Sicht eines Ex-Gefangenen mit seinen Erfahrungen zu beschreiben.


    Abschließend nochmal der Hinweis dass meine Andeutungen hier nicht Deine Ängste, Wut oder Einschätzungen verwässern sollen. Nur habe ich in der Haft eine gesunde Grundskepsis angelernt weil zu unrecht Verurteilte gerne wichtige Details als unwichtig ansehen und unter den Tisch fallen lassen, um in ihrer Außendarstellung immer ein Opfer zu sein, damit sie in ihrer Lage besser zurecht kommen und einem anderem die Schuld statt sich selbst zu geben. Ich kenne Euren Fall aber zu wenig um das irgendwie einschätzen zu können.


    Viele Grüße und viel Kraft!