• So Ich (34) möchte nun nach meinem Strafantritt mal meine Erfahrungen mitteilen. Ich habe mich im Mai als Selbststeller in die JVA Attendorn begeben für eine 15 Monatige Strafe. Allerdings mit Nachschlag auf 30 Monate. Da ich Erstinhaftiert bin geht man jedoch laut Vollzugsplan von Halbstrafe aus.


    Nun zu der JVA selbst:


    Es gibt dort einen geschlossenen und offenen Vollzug. Der geschlossene Vollzug ist relativ neu und verfügt wohl über die neusten Standards. Der offene Vollzug besteht aus dem Zugang und 5 Hafthäusern. Entgegen einigen Posts hier im Forum möchte ich sagen, dass es nicht immer Strafen abhängig ist ob man im OV landet oder nicht. Auf meiner Ladung stand weder etwas vom offenen noch geschlossenen Vollzug. Als Selbststeller erfüllt man jedoch den ersten wichtigen Punkt um überhaupt im OV zu landen.

    Sobald man auf dem Zugang ist, führt man zunächst ein Gespräch mit einem Beamten. Dort werden Lebensumstände etc. befragt. Außerdem die übliche Urinkontrolle auf Drogen. Die Durchschnittszeit die man auf dem Zugang verbringt sind in der Regel 1-2 Wochen (ohne Alkohol und Drogenprobleme!). Ich selbst war dort nur 3 Tage. Üblich dort sind Doppelbelegung für Raucher oder wenn man wie ich einer der wenigen Nichtraucher ist, eine Zelle komplett für sich allein. Am Ende des Zugangs führt man das Gespräch mit dem Anstaltsleiter. DIESER ALLEINE! entscheidet ob man erstens überhaupt dort bleiben darf, man im offenen oder geschlossenen Vollzug landet.
    Ich bin direkt im offenen Vollzug gelandet trotz der 15 Monate und dem zu erwartenden Nachschlag. Innerhalb der Anstalt MUSS man 4 Wochen für die Anstalt arbeiten. Egal ob man draussen eine Arbeitsstelle hat oder nicht! Dies wird als Probewochen für die Zuverlässigkeit genommen. Lehnt man das Arbeiten innerhalb der Anstalt ab, ist man selbstverschuldet arbeitslos und muss den Haftkostenbeitrag von 180€ zahlen. Da dies ohne Arbeit bei vielen leuten nicht geht, landet man zwangsläufig im geschlossenen Vollzug.
    Sollte man draußen eine Arbeitsstelle besitzen, wird diese überprüft (macht euch keine Hoffnung das der Arbeitgeber nicht erfährt das ihr in der JVA sitzt) und ein Beamter kommt einen ab und an besuchen. Ich selbst habe nach vier Wochen Probezeit sofort eine neue GUT bezahlte Arbeitsstelle in Attendorn gefunden (Hochburg der Automobilzulieferer-Industrie). Das Gehalt landet übrigens auf einem Konto der JVA. Erst wenn das Überbrückungsgeld voll ist (Einzelperson 1600€), kann man einen Antrag stellen das einem zukünftig das ganze Gehalt ausbezahlt ausbezahlt wird. Allerdings nur wenn keine Forderungen in der JVA eingehen von Gläubigern. Kommt dort auch nur ein Schreiben, fällt diese Eigengeldverwaltung sofort wieder weg.
    Die 5 Hafthäuser sind teilweise nach Straftaten/Gruppen getrennt. Haus 1= geschlossener, Haus 2= Freiberufler, Haus 3/4 = Körperverletzung, Drogen, Haus 5= ältere Inhaftierte.
    Das größte Glück hat man wenn man wie ich in Haus 2 landet. Dort gibt es nur diese 4-6 wöchige Probezeit, dann darf man sofort arbeiten gehen. In den Häusern 3/4 muss man zunächst an etlichen Sitzungen teilnehmen mit einer Psychologin/Sozialarbeiterin um überhaupt mal die Möglichkeit zu bekommen raus zu dürfen. Solange man übrigens positiv auf Drogen ist, werden einem nur Ausgänge zum einkaufen gestattet. Kein Besuch zuhause, keine Übernachtung etc. auch wenn das bei einigen Leuten dort drei Monate dauert.

    Ansonsten bekommt man nach der Testphase 2 Tage Urlaub pro Monat, wobei eine Übernachtung ein Tag ist. Allerdings nur mit festem Wohnsitz und an einer Stelle wo man geduldet wird (wird schriftlich oder persönlich überprüft).

    Solange man in der Anstalt arbeitet wird man dort verköstigt. Zu dem Essen muss ich sagen, es unterscheidet sich kaum von dem einer Jugendherberge oder Kantine. Sauberkeit wird dort groß geschrieben. Auf eigenen dreckigen Tellern gibt es kein Essen!

    Jedes Haus ist in ca 5-6 Flügel aufgeteilt. Jeder Flügel besteht aus Einzelzimmern + 2 Zimmer auf denen zunächst 2 Leute liegen um das Sozialverhalten zu testen wenn man neu ist. JEDEN! Tag wird die Küche und das Bad geputzt und kontrolliert. Dafür ist jeder Flügel selbst verantwortlich. Fügt man sich dort nicht in die Gemeinschaft ein, hat man schnell Streß auf dem Flur und dann bald auch mit dem zuständigen Beamten. Melden Morgens um 6 Uhr und Abends 19 Uhr. Melden muss man sich IMMER! außer man rückt erst nach 0 Uhr wieder ein.


    Zu den Beamten kann ich nur folgendes sagen:


    Mir ist bisher ausnahmslos kein einziger Beamter begegnet der in irgend einer Art unfreundlich oder voreingenommen war. Die Beamten sind durchweg freundlich oder versuchen das zu sein. Hält man sich an Regeln, dann wird man auch dementsprechend behandelt. Sie versuchen einem bei vielen Dingen zu helfen wenn dies möglich ist.


    Absolut nicht geduldet werden dort Drogen und Alkohol. Wird etwas gefunden gibt das sofort einen "Gelben" und damit Ausgangssperre und je nach Tat wieder auf den Zugang.


    Nun mal zu den 2/3 und Halbstrafen. Für diese Anstalt ist die Strafvollstreckungskammer Siegen zuständig. Mittlerweile bin ich 4 Monate dort und kenne den Großteil der Leute und habe etliche Schreiben etc. gesehen warum Leute dort sind und wofür. Genauso haben einige Leute von unserem Flur/Haus schon Anträge auf 2/3 und Halbstrafe gestellt und waren bei Anhörungen.


    Kommt ihr mit einer laufenden Bewährung in die JVA, dann macht euch keine Hoffnung das dieses bestehen bleibt, trotz Arbeit, Kindern, Frau....! Mir ist ohne Ausnahme! kein Fall dort bekannt wo die Bewährung nicht widerrufen wurde. Hoffnung auf Halbstrafe braucht man sich nur machen wenn man Erstverbüßer ist. Sollte man das zweite oder Dritte mal einsitzen, dann wird es bei der Strafvollstreckungskammer sogar übel für die 2/3. Beide meiner Zimmernachbarn haben eine Anhörung für 2/3 gehabt. Aufgrund der Tatsache das sie schon das dritte mal einsitzen wurde dies abgelehnt.


    Ich weiß nicht was ich noch alles hätte sagen können, aber man nennt diese JVA dort auch Jugendherberge. Die Anstalt macht einem das Leben nicht schwer. Geht man draussen arbeiten, ist man eigentlich nur noch zum schlafen dort und am Wochenende oder zumindest 2 Wochenenden (Samstags morgens 8 Uhr - Sonntags 20 Uhr) zuhause.


    Das einzige was leider nicht so gut läuft ist die Sache mit den Frauen :D :D Bevor ich mich dort gestellt habe, habe ich etliche Internetposts gelesen und Facebook etc. wie es ist wenn man jemand kennen lernt der aus einer JVA kommt. Dort hieß es dann immer, dass wenn es keine dramatische Straftat war, 80% es versuchen würden. Leider ist das in der Realität nicht der Fall ;) Ich bin nun seit fast nem Jahr Single und habe mir dann irgendwann gedacht vllt. lern doch mal wieder jemand kennen. Ich war dann aber nach einigen Gesprächen immer so ehrlich und sagte was Sache ist. Der Tag verlief dann trotzdem immer lustig und freundlich. Das wars aber dann meistens nach einem Tag auch schon :) und es wurde sich nicht mehr gemeldet. Aber naja Frauen soll einer verstehen :D .


    Ich hoffe diese Zeilen haben irgendwem ein bisschen geholfen. In diesem Sinne schönen Tag noch.

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