Vergeht die Zeit wie im Flug oder bleibt sie stehen..?

  • Danke Fu!

    Sie war dann 2/3 (also 20) von den 30 Monaten Die sie bekommen hat im Gefängnis, davon fast 8 in U-Haft.

    Ja, ich glaub ich freu mich mehr als sie. Sie hat, sagt sie zumindest, einen Haftschaden. Sie hat Angst vor der Freiheit weil sie sich fühlt als würde auf ihrer Stirn für alle lesbar „Sträfling“ stehen. Eine Unterkunft ist gott sei dank da und eine Arbeit wird sich gewiss auch finden. Die meissten Freunde haben sich abgewandt, sind nur noch ein paar wenige übrig... und die Familie hat sie auf jeden Fall noch. Das wichtigste für sie ist ihr Sohn, der momentan bei ihrem Ex lebt... lange und verzwickte Geschichte...

    Fu, kannst du ihn denn schon besuchen? Ich denke ab dem Zeitpunkt wirds dann auch einfacher und die Zeit vergeht schneller weil man sich einfach die lange Haftzeit in kurze Teilstücke einteilen kann.

    Oh, dann habt ihr ja tatsächlich auch eine Menge durchgestanden..

    An dieser Stelle Respekt an dich! Ich sage meinem Freund immer, dass ich nicht weiß, ob Männer genauso viel opfern würden wie wir Frauen. Ich bin der Meinung wir Frauen lieben da intensiver... aber ich glaube, das sollte ich dir gegenüber nicht äußern.. :)


    Haftschaden.. Ich hoffe so sehr, dass dieser - nicht nur bei deiner Frau- sondern bei allen, die ihn haben, nicht irreversibel ist..Meine größte Sorge ist, dass mein Freund zb keine Nähe mehr abkönnen könnte (irgendwie falsches Deutsch, oder?)


    Er war 11 Monate in Uhaft, dort hatten wir 2xmonatlich 60min Besuchszeit und jetzt ist er seit knapp 2 Monaten in Strafhaft und hier sehe ich ihn alle 2 Wochen für 1`45h. Irgendwann - da gibt es auch unterschiedliche Aussagen- kommen hoffentlich die LZB dazu..

  • Hallo zusammen,


    Ich habe lange überlegt, ob ich schreibe...

    Das Gefühl wie schnell die Zeit vergeht ist wohl kaum einheitlich zu beantworten.

    Aber vor gut 25 Jahren hatte die liebe meines Lebens einen schweren Verkehrsunfall. Lag für fast fünf Jahre im Koma. Um dann ohne wieder aufzuwachen zu sterben.

    Rückblickend kann ich sagen, die Zeit damals ist gekrochen. Aber vor allem erinnere ich mich an eine grausame Mischung aus hilf und Hoffnungslosigkeit


    Hilflos fühle ich mich auch jetzt hin und wieder. Hoffnungslos nie


    Und die Gewissheit, dass ich meinen jetzigen Partner irgendwann wieder,mehr oder weniger Intakt, mit nach Hause nehmen darf, wiegt den Gedanken an die Zeit die wir noch vor uns haben tausendfach auf. Kann sicher sein, dass dies auch einen, positiven, Einfluss auf mein Zeitgefühl hat....


    Lg

    Kadima

  • Liebe Kadima!


    Danke, dass du geschrieben hast.

    Dein Schicksal ist sehr hart und ich glaube dir aufs Wort, dass die Zeit gekrochen ist..


    Ich sage immer, die Hoffnung stirbt nicht zu letzt- sie stirbt nie. Irgendwie hofft man ja immer..


    Ich denke auch, dass der Gedanke seinen Partner irgendwann abzuholen, bei sich zu haben etc. einem sehr viel Kraft gibt und motiviert.. schön, wenn du soviel positives aus diesen Gedanken filtern kannst.

    Ich versuche es auch. Manchmal wecken diese allerdings Angst in mir, und die Frage: Was ist wenn er sich nicht ändert?

    -Sobald ich mir diese Frage stelle, geht das Kopfkino richtig los..

  • Die erste Zeit verging echt bleiern. Ich weiß im Nachhinein gar nicht mehr richtig, wie ich den Juni und Juli überstanden habe. Es hatte was von funktionieren. Im August war es dann schon besser, da war dann schon Routine mit Besuchen und vor allem mit den Telefonaten dran und dank des zügig erstellten Vollzugsplans wussten wir auch wie es weitergeht. Dann bin ich im September in den Urlaub gefahren und mein Freund wurde währenddessen in den OV verlegt und kann nun dank Urlaub und Freistellungstage nach 15(3) jedes Wochenende nach Hause kommen... Und nun rast die Zeit, weil wir jetzt nur noch von Montag bis Freitag aushalten müssen und da bin ich zumindest von der Arbeit abgelenkt und mache was mit Freunden. Wir wissen aber auch, dass wir und insbesondere er Glück hatte(n) , dass er nur so kurze Zeit im GV verbringen musste und dass er Abteilungsleiter hatte, die sich unfassbar gut für ihn eingesetzt haben!

  • wir sind im 3.Jahr. Die U-Haft Zeit knapp 1,5 Jahre vergingen recht schnell. (von den emotionalen Tiefen will ich jetzt mal nicht sprechen)

    Danach ging es für 4-5 Monat nach Hagen (vollkommen schnell gegangen und auch fast fertig verdrängt) evtl auch wegen der eingeschränkten Besuchszeit.

    Seit 10 Monaten dann in der nächsten Station (Aachen) , die in 4 Monaten auch wieder Geschichte sein. Diese Zeit zieht sich, obwohl wir 2x im Monat "Regelbesuch haben" 1x im Monat LZB und zusätzlich noch 1x im Monat Besuch durch die Pastorin.

    Für ihn ist es " als ob die Zeit nur so vorbeifliegt"...

    Mal schauen ob die min. 12-? Jahre auch so verlaufen. Es wird noch ein Menge geschehen, ohne dass wir (drinnen wie draußen) irgendeine Art von Einfluss haben..

    ABER : Jeder Tag, an dem wir aufwachen, ist wieder ein Tag der die Zeit verkürzt, die wir noch warten müssen Ihn wieder draußen in die Arme schließen zu können.

    Also auf geht´s

  • Danke Frau Fu,

    ich ziehe wirklich viel Kraft aus dem Gedanken, dass es nicht für immer ist. Natürlich ist es auch ein großer Unterschied, ob etwas ohne eigene Schuld passiert (Unfall) oder eben aus genau diesem Grund (Haft). Für mich ist es, vom Intellektuellem her, weitaus leichter diese Haftzeit zu verarbeiten und darum vergeht die Zeit auch einiger maßen schnell weil ich mich gut ablenken kann.. Ok, bin auch keine 20-30 mehr - man sagt ja eh das die Zeit schneller geht, wenn man älter ist ;)


    Ändern muss er sich, das war von Anfang an meine Bedingung dies mit ihm durchzustehen. Im Augenblick scheint er wirklich einen anderen Weg zu beschreiten, mal sehen ob dies Bestand hat. Interessanterweise sagt er aber auch, dass die Zeit gefühlt schneller geht, seit er sich mit manchen Dingen einfach abgefunden hat und nicht ständig alles hinterfragen/in Frage stellen muss.

  • Ändern muss er sich, das war von Anfang an meine Bedingung dies mit ihm durchzustehen. Im Augenblick scheint er wirklich einen anderen Weg zu beschreiten, mal sehen ob dies Bestand hat. Interessanterweise sagt er aber auch, dass die Zeit gefühlt schneller geht, seit er sich mit manchen Dingen einfach abgefunden hat und nicht ständig alles hinterfragen/in Frage stellen muss.

    Diese Bedingung habe auch ich an meinen Freund gestellt und auch wenn ich sonst nicht der Typ bin, der irgendwelche Bedingungen ausspricht, finde ich, dass man es sich im Bezug auf so eine Situation herausnehmen darf und auch sollte.

    Ich habe immer gesagt, dass ich sowohl das Uhaft- wie auch das JVA Gebäude kein zweites Mal sehen werde. Auch habe ich ihm deutlich gemacht, dass ich ihm die Hölle heiß mache - und dann schnellst möglich abhaue :-) - sobald er sogar einmal über eine rote Ampel geht.. :)

    Er hat mein Leben und meine Zukunftspläne auf den Kopf gestellt, nach hinten angestellt und ich habe mich dafür es für ein "normales Leben" nach der Strafhaft in Kauf zu nehmen. Ich bin -für mich- ein riesiges Risiko eingegangen..


    Nichts desto trotz muss man realistisch bleiben, man kann einen Menschen nicht von Null auf Hundert ändern.

    Im Bezug auf mich hat er sich wirklich komplett geändert, soviel Liebe und vorallem auch Wertschätzung wie jetzt, nachdem er erkannt hat, wer zu ihm hält, wer ihm Kraft gibt etc.- habe ich selten gespürt. Ich bin froh, dass er das endlich auch erkennt.


    Aber trotzdem gab es Anfangsschwierigkeiten. Er hatte 4 Wochen nach seiner Verlegung aus der Uhaft in die JVA einen positiven Urintest,

    weil er in einem "schwachen Moment" Marihuana geraucht hat. Die Verlegung plus die Tatsache, dass er auf die Dauer seiner Haftzeit noch nicht richtig klargekommen ist, hat ihn ziemlich runtergezogen und resignieren lassen. Anfangs war ich wütend und hab getobt, aber es bringt ja nichts. Ich habe ihm dann nochmal sehr deutlich gemacht, dass wenn es einmal passiert ist, ich drüber hinwegsehen kann, aber wenn er jetzt so weiter macht - es für mich ein Zeichen wäre, dass er 15-Minuten- Kopfausschalten einem LZB, einem OV und seiner 2/3 Strafe bevorzugt. Dass er es billigend in Kauf nimmt, mich noch länger warten zu lassen und dann würde irgendwas nicht richtig laufen.

    Ich hoffe, er hat es inzwischen verstanden - zumindest hat er einen Tag später einen Antrag auf Suchtberatung/-therapie gestellt.

  • Hallo FrauFu,


    von 0 auf 100 will und braucht ich meinen Partner auch nicht ändern.

    Das das weder realistisch noch menschlich wäre ist mir zu 100% klar. Aber einsehen, dass es Grenzen gibt - auch für ihn - muß er einfach!


    Da bei ihm Sucht / BTM nicht vorliegt, hat er es natürlich etwas schwerer mir seine Gesinnungsänderung zu zeigen und zu beweisen.

    Er hat mehrfach vergeblich versucht sich zu einem Anti-Aggro Training anzumelden - schließlich sind ein paar Monate seiner Strafzeit der Tatsache zu verdanken, daß er sich bei der Verhaftung übergebührlich gewehrt hat.

    Momentan versucht er die Füße still zu halten und sich nicht überall ungefragt einzumischen.

    DAS ist für ihn echt schwer - wahrscheinlich einer Sucht dann doch nicht unähnlich.

    Einmal Klugscheißer immer Klugscheißer. sds


    VG

    Kadima