Der Vollzugsplan

  • Hi ihr Lieben,


    da der Vollzugsplan hier immer wieder Thema ist interessiert mich das Ding jetzt auch mal.


    Bisher war es bei mir so,

    ich weiß das es den VP gibt und mein Mann hat mir auch erzählt wie die Konferenz lief (er war dabei) und das zB befürwortet wurde und drinnen steht das er ne Ausbildung macht.


    Damit war das Thema durch zwischen uns. Und auf die Idee das Teil sehen zu wollen bin ich, bisher, nie gekommen.


    Da ich aber hier immer wieder lese das der VP für euch ne riesen Rolle spielt, ihr euch den schicken lasst ect ist meine Frage, verpasse ich was wenn ich ihn nicht sehe?


    Also. sind da Infos drin die ich(!) als Partnerin haben müsste, sollte, brauche?


    Ich hab diesen VP immer als etwas gesehen das halt gemacht wird, das nur ihn betrifft, als ne Art Wegweiser für ihn durch die Haftzeit eben, aber nicht als etwas das ne riesen Rolle spielt und schon gar nicht für mich. Ich dachte es steht das drinnen was man eigentlich eh weiß. Ich dachte er würde quasi mehr oder weniger pro forma erstellt.


    Und sei nix weiter eine Art "Konzept", vorab für die folgenden Monate/Jahre. Ich nenne es mal "innerbetrieblich".



    Wäre super wenn mich mal jemand aufklärt.

    Wenn es echt ist, dann kann Entfernung nicht trennen,

    Zeit kann nicht schwächen

    und niemand ersetzt den anderen.

    Eigentlich ganz einfach.


  • Hallo Fraggle,


    aufgrund Deines Posts habe ich mal die Kopie hervorgekramt...

    Nein, hatte ich nicht eingefordert - lag kurz nach der Konferenz einem seiner Briefe bei.


    Bei der Länge der Strafe geht es bei ihm vorerst nicht im Lockerungen etc. Es wird mit ein paar Nebensätzen erklärt warum weder diese oder gar offener Vollzug derzeit in Frage kommen. Wann die jeweiligen 1/2, bzw. 2/3 Termine anstehen. Natürlich das voraussichtliche Endstrafendatum.


    Da er sich der Verhaftung heftigst widersetzt hatte, wurde ein Anti-Agressions-Training für die nähere Zukunft angeraten.

    Zum Zeitpunkt der Erstellung hatte er bereits Arbeit, dies wurde ebenso positiv vermerkt wie auch der Kontakt zu Freunden, Lebenspartnerin etc.

    Seine Tat/en werden logischerweise auch detailliert aufgeführt, war aber nix Neues für mich dabei.

    Die Psychologin wird mit "in keinster Weise suizidal" zitiert...

    Es gibt noch den Passus: "Zu gegebener Zeit erfolgen Folgekonferenzen"

    Das wars...



    Bin ich froh dies Dokument zu haben? Ja, allein aus purer Neugierde :D

    Könnte ich ohne leben? Ja, definitiv.


    Würde ich gar meine Beziehung in Frage stellen, wenn ich keine Kopie hätte? Nein, die Beziehungsfrage hätte, für mich, an einem viel früheren Zeitpunkt zur Debatte gestanden.



    LG

    Kadima

  • Ich habe den VP meines Freundes noch nicht gesehen - hat mich bis dato gar nicht interessiert - kenne von daher das Teil nur aus Erzählungen.


    Um sich eher was darunter vorstellen zu können: Mit was könnte man ihn grob vergleichen? Hilfeplan vom Jugendamt? Eingliederungsvereinbarung vom Jobcenter/Arbeitsamt?

    Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.

    [Abraham Lincoln]

  • Einiges zum Vollzugsplan

    Es ist eigentlich nix anderes als eine Konkretisierung des Vollzugziels und der Indivdualisierung des Behandlungsplan.

    Aufgrund der Bahndlungsplanung wird ein Vollzugsplan erstellt

    1. die Unterbringung im geschlossenen oder offenen Vollzug,
    2. die Verlegung in eine sozialtherapeutische Anstalt,
    3. die Zuweisung zu Wohngruppen und Behandlungsgruppen,
    4. den Arbeitseinsatz sowie Maßnahmen der beruflichen
    Ausbildung oder Weiterbildung,
    5. die Teilnahme an Veranstaltungen der Weiterbildung,
    6. besondere Hilfs- und Behandlungsmaßnahmen,
    7. Lockerungen des Vollzuges und
    8. notwendige Maßnahmen zur Vorbereitung der Entlassung.

    NIcht expliziet geregelt , aber empfohlen sind

    9. Freizeitgestaltung,

    10. Außenkontakte (insbesondere Urlaubsplanung),
    11. Maßnahmen zum Ausgleich der Tatfolgen und
    12. Schuldenregulierung.

    Der Vollzugsplan ist mit der Entwicklung des Gefangenen und weiteren Ergebnissen der Persönlichkeitserforschung in Einklang halten , dazu sind im Vollzugsplan angemessen Fristen vorgesehen.

    Bei den Konferenzen sollten alle teilnehmen die an der Behandlung beteiligt sind, der Betroffen sollte angehört werden und auch seine Vorstellungen sind bei Entscheidungsfindungen zu berücksichtigen , der Gefangene selbst , wobei es es gibt kein sujektives Recht dabei zu sein.


    Ist das zum Vollzugsplan das mir auf die Schnelle nun dazu eingefallen ist.


    Meine Vergangenheit ist Geschichte...meine Zukunft mein Geheimnis und jeder Augenblick ein Geschenk

  • Super, Danke für die Info, Kadima.


    Also im Prinzip alles Dinge die man entweder schon weiß (Taten) oder über die man redet (Lockerungen, Arbeit).


    Neugier kann ich nachvollziehen bzw das einfach was "von ihm, aus seinem Leben dort erfahren" wollen.


    Und, tadaaa, die Möglichkeit zu erfahren zu wem er von draußen sonst noch so Kontakt hat ... das erklärt evt die Wichtigkeit, das ist das wonach ich "suchte", das fehlende Puzzleteil was das Ding für uns draußen so wichtig macht.


    Okay also, für mich ganz klar, wäre ich inhaftiert würde ich es auch nicht verschicken.

    Nicht weil ich was zu verbergen hätte sondern weil ich mir wohl ein klitzekleines bißchen "Privatsphäre" erhalten wollen würde.

    Nen Hauch Freiheit innerhalb der Mauern. Das Gefühl zu haben nicht vollkommen gläsern zu sein.

    Wenn es echt ist, dann kann Entfernung nicht trennen,

    Zeit kann nicht schwächen

    und niemand ersetzt den anderen.

    Eigentlich ganz einfach.


  • Hallo Fraggle, wenn Du es mal nachlesen willst: In Hessen ist der § 10 Strafvollzugsgesetz bei uns in Rheinland die §§ 14,15 Landesjustizvollzugsgesetz. Der erste Vollzugsplan wird bei uns spätestens nach 8 Wochen erstellt, in Hessen gibt es keine Frist. Wichtig ist, dass er binnen einer bestimmten Frist - mindestens jährlich - fortgeschrieben werden muss.

    Was steht drin? Das Wichtigste natürlich, der voraussichtliche Entlassungstermin. Das kann gerade beim ersten Plan nicht immer verwirklicht werden, z.B. wegen noch offenen Verfahren. Die Eignung für Vollzugslockerungen und auch für den offenen Vollzug und wenn nicht jetzt wann dann. Weiterhin steht drin, was gemacht werden soll z.B. Ausbildung, Schule, Sozialtherapie etc. Aus dem Vollzugsplan und insb. den Folgeplänen ist auch zu entnehmen, wie er sich führt und da kann es natürlich sein, dass jemand seiner Partnerin etwas vormacht ( alles läuft super), während es in Wirklichkeit ganz anders aussieht. Die Folgepläne können sich zum Positiven verändern, allerdings auch in Negative abgleiten. Die Pläne sind für die Anstalt verbindlich. Wenn jemand die Bewilligung für den offenen Vollzug hat, ist dies umzusetzen und darf nicht ohne triftigen Grund geändert werden. Ebenso sieht es z.B. bei einer Sozialtherapie aus, die muss dann angeboten werden, wenn sie als Behandlungsmaßnahme drin steht.

  • Das erklärt es.


    Zitat

    Aus dem Vollzugsplan und insb. den Folgeplänen ist auch zu entnehmen, wie er sich führt und da kann es natürlich sein, dass jemand seiner Partnerin etwas vormacht ( alles läuft super), während es in Wirklichkeit ganz anders aussieht.


    Nu muss ich mir überlegen ob ich den nächsten von ihm nicht doch auch will sds

    Nein, Scherz.


    Ich verstehe aber jetzt die Wichtigkeit.

    Danke euch!

    Wenn es echt ist, dann kann Entfernung nicht trennen,

    Zeit kann nicht schwächen

    und niemand ersetzt den anderen.

    Eigentlich ganz einfach.


  • Maximus hat es glaube ich ziemlich passend und umfangreich dargestellt.

    Zumindest waren all diese Aspekte auch im ersten VP den ich von meinem Freund - nein nicht geschickt- ,

    sondern vorgelesen bekommen habe.


    Merkwürdig fand ich, dass bei meinem Freund keine 2/3 Strafe stand.. zumindest nicht im ersten.

    Zu Beginn hat er aber irgendeinen anderen Zettel bekommen, auf welchem sowohl Halbstrafe als auch 2/3 und der Endtermin drauf stand.


    Laut Aussage meines Freundes erhält man alle 6 Monate einen neuen Plan.


    Was ich nicht verstehe: Wieso ändern sich die Entlassungsdaten teilweise?

    Weiß das jemand?

  • Das

    Gerade bei längeren Strafen, stehen die Daten zu einer vorzeitigen Entlassung nicht gleich im ersten Vollzugsplan drin, da sich die JVA erst ein bild von ihm machen muss/soll.

    Der Vollzugsplan sollte alles halbes Jahr fortgeschrieben werden.

    Wo es jedoch draufsteht ist dann das Vollstreckungsblatt.

    Meine Vergangenheit ist Geschichte...meine Zukunft mein Geheimnis und jeder Augenblick ein Geschenk

  • Das

    Gerade bei längeren Strafen, stehen die Daten zu einer vorzeitigen Entlassung nicht gleich im ersten Vollzugsplan drin, da sich die JVA erst ein bild von ihm machen muss/soll.

    Der Vollzugsplan sollte alles halbes Jahr fortgeschrieben werden.

    Wo es jedoch draufsteht ist dann das Vollstreckungsblatt.

    Ah, prima! Vielen Dank.. war nur verwunder, weil es irgendwo (= Vollstreckungsblatt) stand und plötzlich von der Bildfläche verschwunden ist..

    Ich dachte natürlich, dass es mit der positiven UK zusammenhing.

  • Kann mir jemand sagen ab wann der erste VP in NRW ausgestellt wird bzw ausgestellt werden muss?

    Habe bisher noch keinen VP von meinem Lebesgefährten gesehen/gehört...

  • Hallo Luna,

    sei gegrüßt. NRW gehört zu den Bundesländern, die keine festen Fristen im Gesetz verankert haben. Unverzüglich heißt es in § 10 Strafvollzugsgesetz NRW. Unverzüglich bedeutet ohne schuldhaftes Verzögern, also 6-8 Wochen muss man bei der Haftdauer mindestens rechnen. LG Lasker

  • Vielen Dank Lasker,

    Also kann man nichts genaues sagen...unverzüglich ist ja sehr dehnbar....

    Die Haft würde Ende August angetreten als Selbststeller...habe aber bisher keinen VP gesehen bzw davon berichtet bekommen :-(

  • Hallo alle zusammen,

    ich hoffe, dass meine Frage an der richtigen Stelle ist.


    Und zwar ist mein Mann seit 24.09.18 in Strafhaft (Selbststeller) in der JVA Diez.


    Wie auch hier aus den Beiträgen hervorgeht sollte diese Konferenz hier in RLP spätestens nach 8 Wochen stattfinden (vgl. §§ 14,15 Landesjustizvollzugsgesetz RLP).


    Mein Mann meinte zu Beginn der Haft, dass die Sozialarbeiterin gesagt hat, bis zu dieser Konferenz würde es 6 bis 8 Wochen dauern. Jetzt hätte sie gesagt, sie findet erst nach 6 Monaten statt.


    6 Monate wäre ja schon ziemlich lange, kann das denn sein obwohl es eigentlich im Landedjustizvollzugsgesetz geregelt ist? Also ist das üblich so? (Dort wird ja u.a. auch die Verlegung in den offenen Vollzug, Halbstrafenzeitpunkt und 2/3 Zeitpunkt festgelegt, und auch ob und wann er endlich arbeiten kann, im Neuzugang darf er erst mal nicht arbeiten).


    Grüße

    TS