Feiertage im Knast

  • Guten Abend ihr Lieben,


    wie verbringt ihr euer Weihnachtsfest bzw. die Feiertage? Kriegen eure Männer/Frauen/Söhne etc. Hafturlaub, Ausgang o.ä. oder müssen sie über Weihnachten und Silvester einsitzen?


    Ich weiß noch garnicht, wie wir es am besten machen sollen. Mein Mann wird im geschlossenen sitzen, an den Feiertagen gibt es keine Besuchszeiten, Pakete sind verboten.


    Er hat extrem Angst vor dem Dezember, weil er psychisch eh schon angeschlagen ist und in Depressionen verfällt. (Kein Wunder, nach 4 Wochen ist der Fernseher noch immer nicht geprüft, Buch wurde nicht genehmigt...).


    Ich werd versuchen trotzdem Weihnachten zu feiern, allein schon wegen meiner Tochter. Gute Miene zum bösen Spiel. Werd sicher nicht einfach ausblenden können, dass er fehlt und wo/wie er seine Zeit verbringt. :(


    Würde mich freuen, wenn ihr berichtet wie ihr damit umgeht, was ihr macht, wie es euren Lieben im Knast damit geht, was ihr tut um sie aufzumuntern...?

  • Hi Rostock,


    bei mir ist die Situation insofern etwas einfacher weil er und ich noch nie ein Weihnachten zusammen verbracht haben.

    Ich werde es also so feiern "wie immer", so wie vor seiner Zeit. Mit meiner Familie und evt mit Freunden.


    Aber natürlich beschäftigt mich dennoch sehr wie es ihm in diesen Tagen gehen wird.

    An den Feiertagen und vermutlich auch zwischen den Jahren wird nicht gearbeitet dort, bedeutet 21 Stunden Zelle täglich, das macht's nicht leichter.


    Ich denke ich werde ihm auf jeden Fall für diese Zeit irgendetwas speziell zukommen lassen.

    Ich muss mal sehen was geht, CDs über Amazon kann ich ihm schicken lassen, vielleicht geht ja auch ein Hörbuch oder ne DVD, am besten ne Serie Staffel 1-25, irgendwas damit er "zu tun" hat und die Gedanken wegschieben kann.


    Das selbe übrigens auch zu Silvester.

    Mein Mann sagte mir das Silvester für ihn stimmungsmäßig schwieriger zu handeln sei als Heiligabend.

    Wenn es echt ist, dann kann Entfernung nicht trennen,

    Zeit kann nicht schwächen

    und niemand ersetzt den anderen.

    Eigentlich ganz einfach.


  • Hallo Rostock,


    ich werde Weihnachten im Kreise meiner Familie verbringen. Meine Geschwister, bundesweit verstreut, sind da und wir geniessen unsere gemeinsame Zeit.


    Um meinen Freund muss ich mir auch keine Sorgen machen. Er kocht zusammen mit den Anderen was leckeres, sitzt mit ihnen zusammen und versucht, so gut es geht Weihnachtsatmosphäre aufkommen zu lassen.


    Er kann sich jeden Tag in der Wohngruppe frei bewegen bis zum abendlichen Einschluss.


    Silvester hat er auch mehr emotional mit sich zu kämpfen.


    LG Darky

  • Hallo Rostock,

    wir mussten einige Jahresübergänge ohne "ihn" verbringen. Es hat weh getan aber wir haben es überstanden. Sollte dein Mann Arbeit haben, gibt es evtl. eine kleine Weihnachtsfeier in dem Werkbetrieb. Zu Weihnachten finden Messen statt. Auch Häftlinge ohne Konfession können daran teilnehmen. Machen sie auch, allein schon um den Einschluss zu unterbrechen.

    Ohren steif halten und extra Kerze anzünden!

    LG

    "Es gibt keine guten - und keine schlechten Menschen. Es gibt gute - und schlechte Taten." (unbekannt)

  • Hallo Rostock,

    Ich bin auch sehr traurig darüber dass auch bei uns kein Besuch an Weihnachten erlaubt ist.

    Sicherlich habe ich aufgrund seiner Sucht viele viele Weihnachten ohne meinen Sohn verbringen müssen,doch die letzten zwei Jahre war er da und dementsprechend ist es noch schwerer.

    Für mich ist Heiligabend etwas besonderes,mit den beiden Feiertagen danach habe ich kein Problem.

    Ich werde mir was überlegen womit ich irgendwie meinen Sohn zeigen kann das ich am Heiligabend besonders an ihn denke.

  • Danke für eure Antworten.


    Er arbeitet leider nicht, sonst hätte er zumindest zeitweise ne Ablenkung. Während der einen Freistunde geht er duschen, holt sich Tee und geht dann wieder in die Zelle.


    Er will mit den Leuten nichts zu tun haben. Der Großteil steht unter Drogen (Space u.a.), die laufen wohl rum wie Zombies, dann gibt es die Fraktion jüngeren Alters, Möchtegern Gangster, die es cool finden im Knast zu sein und die Älteren, die wie er auf Zelle hocken und jeglichen Kontakt meiden.


    Da er noch immer keinen Fernseher hat, nach vier Wochen, auch der Radiowecker den ich mitgebracht habe noch nicht freigegeben ist und ein Buch nicht genehmigt wurde, sitzt er da und versinkt in seinen negativen Gedanken.


    Ich manage hier unser Leben, arbeite wie bekloppt, um die Wohnung halten zu können und die Rechnungen bezahlen zu können, versuche meinem Kind gerecht zu werden (12 J.) und nach Feierabend verbringe ich viel Zeit mit Internetrecherche bzgl. der Bewährungswiderrufe, Berufungsverfahren, OV... Und setz mich mit dem Anwalt auseinander.


    Und versuche jeden Tag aufs Neue -gebetsmühlenartig- meinen Mann am Telefon aufzumuntern, der psychisch am Ende ist und alles schwarz sieht. :-(


    Das wird an den Feiertagen nicht besser sein, keine Ahnung wie wir über diese Zeit kommen sollen. Er hat jetzt schon regelrecht Panik davor.


    Ich wünschte, die ganze Sch... wäre schon überstanden. Ich übe mich in Geduld, aber es zermürbt einen sehr. Man ist so hilflos, ich wäre froh über irgendeinen Fortschritt...

  • Hallo Rostock,

    ich habe gesehen das diese JVA wohl eine recht aktive Seelsorge hat.

    Vielleicht kann er sich dort melden, vielleicht dort Kontakt zu anderen Insassen aufnehmen.Bücher werden auch untereinander verliehen, eventuell gibt es dort Möglichkeiten an Bücher zu kommen oder sich auch mal mit einem Gesellschaftsspiel abzulenken.


    LG Loona

    Ich so :   OCH, BITTE !  

    Und mein Leben so : NÖ !

  • Hey Rostock,


    der Anfang ist das härteste, für beide Seiten.


    Versuch mal Dich jetzt noch nicht wegen der Feiertage zu stressen.

    Bestimmt ist bis dahin TV und Radio vorhanden und ganz sicher schafft es auch ein Buch zu ihm. Frag mal in der JVA nach, eventuell kannst Du ihm eins, zwei, drei, ... über einen autorisierten Händler zusenden lassen.


    Mein Mann hatte auch fünf Bücher mit, keins davon durfte er haben. Über Amazon kann ich ihm aber welche schicken, sofern sie zuvor genehmigt wurden. Das muss er beantragen, exakt mit Titel, Autor und ISBN Nummer.


    Erkundige Dich. Bücher müssen nicht verplombt werden, von daher bekommen sie die in der Regel sehr schnell ausgehändigt.

    Wenn es echt ist, dann kann Entfernung nicht trennen,

    Zeit kann nicht schwächen

    und niemand ersetzt den anderen.

    Eigentlich ganz einfach.


  • Seelsorge will er nicht. Er öffnet sich Fremden gegenüber nicht und hat auch immer Angst, dass es ihm zum Negativen dient.


    Ich hab dem Pfarrer, der die Seelsorge macht, eine E-Mail geschrieben und um Hilfe gebeten, kurz seine Lage geschildert und nachgefragt, ob er in der JVA etwas bewirken kann, was die Ausgabe der Fernseher angeht.


    Angeblich ist der Externe, der die Elektrogeräte prüft, seit vier Wochen nicht da gewesen. (Laut Knacki aus der Habenkammer). Es geht also nicht nur meinem Mann so.


    Es kam die Antwort, Wortlaut: Ohne den Namen Ihres Mannes kann ich nicht helfen. Mit freundlichen Grüßen.


    Den Namen habe ich extra nicht genannt, weil mein Mann Angst hat, dass man ihn unter Beobachtung zwecks Selbstgefährdung stellt, wenn ich schreibe, dass es ihm nicht gut geht.


    Würde bedeuten „besonders gesicherter Haftraum“. Ihr wisst sicher was das bedeutet.


    Er hat LEIDER reichlich Knasterfahrung gesammelt (ohne mich) in der Vergangenheit, ich weiß nicht ob es wirklich so passieren würde. Ich will aber nicht schuld sein, falls die meine E-Mail echt so auslegen.


    Ist es so schwer nachvollziehbar, dass man kirre wird ohne Fernseher in der Zelle über den langen Zeitraum? Das würde jedem von uns so gehen. Ich versteh das nicht, das sind doch auch Menschen in der JVA. Mitgefühl? Empathie?


    Wenn man in der JVA höflich nach dem Status fragt, bekommt man keine Antwort.


    Ich kann nichts tun, es ist so ätzend. :-(


    P.S: Bzgl. lesen - Im Grunde hat er nie gelesen, wäre also nur eine Notlösung zur Ablenkung. Wirklich seinen Gemütszustand positiv beeinflussen würde das nicht.

  • Ich glaube nicht das es negativ wäre wenn Dein Mann zugibt das es ihm nicht gut geht. Bedeutet ja nicht automatisch das er zB suizidgefährdet ist.


    Es ist wie Du schreibst, jeder dort kann nachvollziehen was es heißt 23 Stunden am Tag ohne irgendwas auf Zelle zu sitzen.


    Mein Mnn hat sich auch an den Sozialarbeiter gewendet, und an beide Pfarrer. Und tatsächlich auch über eine davon dann nen TV bekommen.


    Wer nicht fragt und nix sagt, dem kann nicht geholfen werden :planlos:

    Wenn es echt ist, dann kann Entfernung nicht trennen,

    Zeit kann nicht schwächen

    und niemand ersetzt den anderen.

    Eigentlich ganz einfach.


  • Wollte ich auch grad fragen, gibts kein Leihgerät, so lange er seinen eigenen nicht hat?


    Du schreibst ja er hat schon Knast Erfahrung, war er den da auch schon immer so down oder ist das jetzt erst gekommen?


    Natürlich sollten die Mitgefühl haben aber vergiss bitte nicht, er ist einer von vielen und jeder hat was zu meckern, das macht den Beamten ihren Job nicht einfacher. (Denke Insassen die sich vorbildlich verhalten sind die Minderheit.)


    Deswegen denke ich das sie mittlerweile nicht mehr alles für voll nehmen bzw. Vielleicht etwas abgestumpfter sind , wie wir.


    Und wie schon gesagt: wenn dein Mann sich an nichts beteiligt und auch eigentlich zu nichts wirklich Lust hat, wie soll man darin etwas für ihn tun.

  • Leihgeräte gibt es, aber hier stehen nur Häftlinge auf der Warteliste, die kein eigenes Gerät mitgebracht haben.


    Er hat durch die letzte Inhaftierung einen echten, wie sagt man so schön, Haftschaden erlitten. Außerdem hat er es beim letzten Mal besser weggesteckt, weil er draußen keine Frau und Kind hatte. Es zermürbt ihn, dass er uns allein gelassen hat und macht sich tausend Gedanken. Und ich schaffe es nicht, ihm diese zu nehmen, obwohl ich alles tue was ich kann.


    Es ist nicht so, dass er „zu nichts Lust hat“ oder „sich an nichts beteiligt“. Er will mit diesen Leuten nichts zu tun haben aufgrund ihrer Einstellung/Reife und weil 80 % „auf Droge“ sind. Abgesehen von der Freistunde, die er nicht zum „kontakten“ mit den Mitinsassen nutzt, gibt es keine Angebote.


    Ich glaube, ich sage dem Pfarrer den Namen und hoffe darauf, dass er hilft statt zur Prävention irgendwelche negativen Aktionen zu starten. Davor hab ich echt Angst.

  • Hm, also über seinen Kopf hinweg würde ich das nicht machen.


    Er ist ein erwachsener Mann, es ist seine Haft. Er entscheidet das letztendlich.


    Das er sich zurückzieht ist sicher nicht schlecht, andererseits braucht jeder Mensch nen Ansprechpartner in seinem Umfeld.

    Mag sein das da sie meisten auf ner anderen Wellenlinie schwimmen als er, aber wenn er direkt mal alle über einen Kamm schert und keinem überhaupt ne Chance gibt ...


    Rostock, hab ich das richtig verstanden, es geht bei euch nur um 5 Monate ?

    Wenn es echt ist, dann kann Entfernung nicht trennen,

    Zeit kann nicht schwächen

    und niemand ersetzt den anderen.

    Eigentlich ganz einfach.


  • Hallo Rostock!


    Ich kann dich total gut verstehen und weiß, wie ratlos diese Situation einen selbst macht.

    Auch mein Freund ist in der Anfangszeit gar nicht zu Recht gekommen, war dauernd niedergestimmt

    und ihm ist die Decke auf den Kopf gefallen. Jeder Versuch meiner Seits ihn positiv(-er) denken oder fühlen

    zu lassen, ist gescheitert.. Nicht schön.


    Bezüglich deiner Idee mit dem Pfarrer, möchte ich auch ersteinmal sagen, dass zwischen "nicht gut gehen"

    und "suizidal gefährdet" o.ä ein sehr großer Unterschied ist.
    Sollte jeder dem es nicht gut unter Beobachtung stehen, .. puuh, ne, ne - da gehört doch ein bisschen mehr zu.


    Prinzipiell finde ich es gut, dass du den (anonymen) Kontakt gesucht hast.

    Letztendlich sollte die Entscheidung und die weitere Kommunikation in den Händen deines Mannes liegen.

    Vielleicht reicht es ja aus, wenn du ihn motivierst, indem du ihm sagst, dass du dich erkundigt hast und

    er sich nochmal persönlich bei ihm melden sollte. Einbisschen Eigeninitiative muss er auch zeigen.


    Ich hoffe, deinem Mann und somit auch dir, geht es schnell besser!


    Lieben Gruß!