WDR "Deals - Gerechtigkeit als Handelsware"

  • Ich habe mir den 52 min lange Audio-Podcast angehört und wurde sofort an meiner ersten "großen Verhandlung" erinnert, die wegen der Aussageverweigerung einer Zeugin des Staatsanwalts eine andere Richtung nahm und mit einem allerdings positivem Deal für mich endete.

    Was ich allerdings hier gehört habe, besonders der Fall des Herren Hartz im VW Sexskandals macht mich etwas sprachlos.

    Ich würde das gerne mal zur Diskussion stellen und vielleicht mal die Meinung von Lasker erfahren, der immer bemüht ist einen besseren Weg für seine Kunden zu gehen.


    Ich weiß, es ist ist eine Zeitintensive Aktion bis man hier in die Diskussion einsteigen kann, aber ich denke es lohnt sich. Wäre schön, wenn sich viele hier dran beteiligen.

    Was doch für ein Netz wir weben,


    wenn wir den Weg der Täuschung gehen.


  • Ich schließe mich mal an,

    ich habe mir allerdings nur die ersten 15 Minuten angehört. Ich habe immer gedealt, ist so jedenfalls nicht strafbar.

    Es gibt überall schwarze Schafe. Weihnachtspakete werden nicht mehr erlaubt, weil der Kontrollaufwand zu hoch ist. Einige wenige haben das genutzt, um BTM einzuschmuggeln, alle anderen leiden drunter.

    So ist es auch hier. Wer sich unschuldig fühlt, da kann man keinen Deal machen und sollte es auch nicht. Die Realität ist aber meist eine andere. Die meisten Angeklagten sind im Vorfeld geständig oder die Beweislage ist eindeutig. Was spricht dagegen, dass man die Erwartungshaltungen austauscht und sieht, ob man sich nicht einigen kann. In den meisten Fällen geht der Angeklagte von einer höheren Straferwartung aus, als die StA überhaupt anstrengt. Da kommt man ganz schnell zu einer Einigung.

    Wenn jemand nicht geständig ist, schließt das einen Deal nicht aus. Man hört dann den Angeklagten und die wichtigsten Zeugen an und setzt sich dann noch mal zusammen. Meist findet sich auch dann eine Lösung.

    Was mir an dem Audio-Podcast auffiel. Ich schätze Thomas Fischer. Ein ganz toller Jurist, der unseren Standardkommentar heraus gibt, aber als ehemaliger Vorsitzender Richter am BGH hatte er nur mit den schweren Fällen zu tun, also da, wo über vier Jahre zu erwarten sind. Mit den normalen Fällen hatte er nichts zu tun, womit ihm 98% der Fälle entgangen sind. Für seinen Bereich hat er Recht, allerdings lässt sich das nicht auf das Alltagsgeschäft übertragen. Man nehme dann noch einen Fall, wo ein Gericht zu Unrecht nicht in die Beweisaufnahme eingetreten ist und schon hat man eine negative Berichterstattung zum Deal.

  • Hallo ich möchte mich nach Anhörung von dem Podcast auch dazu äußern.


    Ich denke, dass diese Deals grundsätzlich nicht völlig so schlimm sind, wie es sich in dem Podcast teilweise anhört. So wie Lasker sagt, es gibt überall schwarze Schafe.


    Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass diese Deals auch als Druckmittel benutzt werden -so war es bei uns im 1. Prozess 2016. Meinem Mann wurden damals 4 Taten vorgeworfen, zu 2 war er gleich geständig. So wurde dann ein Deal angeboten, dass wenn er "alles" gesteht er 2 Jahre auf Bewährung kriegen wird. Da mehrere Angeklagte bei dem Prozess beteiligt waren, wollte man den Prozess so schnell wie möglich beenden.

    Andernfalls wäre eine Bewährung nicht unbedingt drin gewesen sagte man. Ja so war es dann, dass mein Mann alle 4 Taten gestand.


    Bei der nachträglichen Gesamtstrafenbildung, also beim 2. Prozess in diesem Jahr, hat man meinem Mann und unseren Anwälten gleich vor Beginn der Verhandlung gesagt oder mitkriegen lassen, wenn es kein Geständnis gibt, dass das Strafmaß bei bis zu 4 Jahren liegen könnte. So hat mein Mann auch hier dann gleich gestanden und den Deal so zu sagen angenommen. So hat er dann noch 2 weitere Taten dazu gerechnet bekommen, die eigentlich in diesem komplizierten Verfahren wo mehrere Angeklagte beteiligt waren am Ende übrigblieben.


    Fakt ist, dass ich der Meinung bin, dass die Option "Deal" durchaus als ein guter Ansatz im Namen der Gerechtigkeit sein mag. Insbesondere bei all denen, die die vorgeworfenen Taten auch begangen haben und sie wirklich bereuen.

    Es kommt wohl auch immer ein bisschen darauf an, wer daran mit beteiligt ist. Es kann nämlich auch ein böses Druckmittel sein.


    (Ich will übrigens damit keineswegs versuchen die Fehler meines Mannes aus der Vergangenheit zu relativieren oder ihn als Unschuldslamm darzustellen.)


    Bin gespannt auf weitere Meinungen.


    Gruß

    TS