Meine Abwesendheit

  • seit Sonntag, lag an meinem Kater, den Räuber.

    Seit Freitag hat mein Räuber nicht mehr gefressen und verschmähte sogar seine Leibspeise, den Seelachs.

    Das erste mal seit 10 Jahren machte ich mir echt richtig Sorgen, denn krank war der kleine Kerl noch nie.
    Er hat nur hin und wieder was getrunken, lief auch ein bisschen durch die Stube, doch dann verzog er sich wieder in einer seiner Schlafecken.

    Am Sonntag rief ich die Tiernotdienst an und schilderte den Krankheitsverlauf. Dem Tiernotdienst war es zuerst wichtig, mir mitzuteilen, was die Anfahrt zu mir kostet. Dabei wollte ich selbst in die Tierklinik fahren. Ich habe diesen Notdienst nicht in Anspruch genommen, sondern bin am Montag zu meiner Tierärztin gefahren, die den kleinen schwarzen Kerl erst geröntgt hat.

    Ich hatte den Verdacht, das mein Räuber irgendetwas verschluckt hat und ihm jetzt quer im Bauch liegt.

    Auf dem Röntgenbild war etwas zu sehen, aber um auszuschließen das es sich um einen Fremdkörper handelt, musste ich in die Tierklinik um ein Ultraschall vom Bauch machen zulassen.


    Es war kein Fremdwörter, sondern ein Tumor, der so groß ist, das er den ganzen Mageninhalt verschließt. Daher hat er ein Sättigungsgefühl und kann keine Nahrung mehr aufnehmen.

    Ich bin wie betäubt nach Hause gefahren und konnte es nicht glauben. Denn der kleine tapfere Kerl hat sich keine Schmerzen anmerken lassen.

    Den ganzen Montag Abend lag er mit mir auf der Couch, wie immer auf meiner Brust. Ich habe mich die ganze Nacht nicht bewegt und hoffte das er doch noch anfängt zu fressen.

    Das tat er aber nicht, den ganzen Dienstag lag er nur auf der Couch und so fuhr ich dann am späten Nachmittag wieder zu meiner Tierärztin.

    Ich hoffte auf eine Cortison Behandlung, die wir tagszuvor angesprochen hatten, doch dafür war der Tumor schon viel zu groß und es hätte auch keinen Erfolg gehabt.


    Ich musste meinen Räuber einschläfern lassen und nennt mich Weichei, aber ich habe in der Praxis soviel Tränen vergossen, wie schon lange nicht mehr. Das mir das so Nahe geht, hätte ich nie gedacht und es war mir auch scheiß egal.

    Er ließ die Narkosespritze ohne sich zu wehren, setzen, während ich sein Fell kraulte. Ich interpretiere das als für mich so, als wüsste er das sein Leidensweg zu Ende ist.

    Selbst jetzt beim verfassen dieses Beitrages, kommen sie mir hoch, denn er fehlt mir sehr der kleine schwarze Findling, der mir ständig die Socken klaute und sie unterm Bett versteckte.

    Oh welch verworren Netz wir weben, wenn wir nach Trug und Täuschung streben.

    (Sir Walter Scott)

  • Hallo Chris,

    schon beim Lesen muss ich mit heulen.

    Ich/wir hatten und haben schon immer Katzen. Manchmal 6 gleichzeitig. Manche wurden überfahren, oder sind umgezogen... Der eine wohnt sogar noch in der Nachbarschaft. Aber Merlin.. Merlin hat sich in die Arme meiner Tochter gelegt und und ist dort einfach eingeschlafen.

    Wenn es immer so ginge, wäre das sicherlich erträglicher....:rolleyes:


    Gott sei Dank, dass wir die kleinen "erlösen" können, damit sie würdevoll sterben können und nicht wie bei manchem Menschen (aber das führt an dieser Stelle zu weit). Und ich bin mit sicher, dass der kleine Räuber wusste, was passiert und Dir dankbar war. Dankbar für die Zeit mit Dir und dankbar, dass du den Mut hattest, diese Entscheidung zu treffen...


    Mein Mitgefühl für Dich.


    Viele Grüße

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