JVA Chemnitz (Frauen)

  • Hallo an alle, die das lesen.


    Ich möchte ein paar Informationen zur JVA Chemnitz geben. Vielleicht werden Sie noch benötigt.


    Zunächst ist zu sagen, dass sich die JVA in offenen und geschlossenen Vollzug teilt. Zum geschlossenen Vollzug gehören zwei Hafthäuser, zum offenen Vollzug ein Hafthaus mit Mutter-Kind-Abteilung sowie anliegendem Jugendarrest.


    Bei Haftantritt verbringt man zunächst etwa zwei Wochen auf der Zugangsabteilung in Haus 1. In dieser Zeit führt man ein Zugangsgespräch, welches den weiteren Weg für die Haft regelt (mit den Schwerpunkten Unterbringung, Arbeit, Schuldnerberatung und sonstige evtl. benötigte Hilfen).


    Selbststeller kommen - insofern sie drogenfrei sind - gemäß dem Selbststellermodell unter Vorbehalt zunächst in den offenen Vollzug, bis dieser auch endgültig genehmigt ist. In der Zeit bis zur Genehmigung sind Einkäufe und Arbeit nicht möglich.


    Bleibt man im geschlossenen Vollzug, so wird man entweder in Haus 1 oder Haus 3 (eher für Frauen bis 35 gedacht, außerdem gibt es eine sozialtherapeutische Abteilung) untergebracht. Arbeit gibt es u.a. in der Wäscherei, Näherei, Küche, als Haus- und Hofreiniger etc. Letzteres würde ich dennoch als relativ undankbaren Job bezeichnen, da die meisten Insassen die Angewohnheit haben tagtäglich Brot und andere Sachen aus dem Fenster zu werfen. Generell besteht in Chemnitz keine Arbeitspflicht.

    Im geschlossenen Vollzug gibt es wochentags 1 Stunde Hofgang (Nichtarbeiter vormittags, Arbeiter nachmittags), am Wochenende 1,5 Stunden nachmittags für alle zusammen. Hier wird dann regelmäßig nach Schmuck und ähnlichem gefragt - daher empfehle ich sämtlichen Schmuck im Haftraum zu lassen.


    Die Bediensteten im GV und OV können äußerst nett und umgänglich sein, insofern man ihnen stets mit Respekt und Höflichkeit begegnet. Hier gilt der Spruch "Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es auch wieder heraus."


    Das Essen ist, für das Budget von 3€ pro Kopf/Tag, in Ordnung. Es gibt nicht jeden Tag Obst und Gemüse, auch gibt es darunter nicht viel Abwechslung. Das ist aber dem Budget geschuldet, es wird sich bemüht Abwechslung in den Plan zu bringen.


    Einkaufsmöglichkeit gibt es im GV über den Kaufmann Massak. Dafür werden Listen ausgefüllt, deren Inhalt (insofern genug Geld auf dem eigenen Haftkonto vorhanden) freitags in die JVA eingebracht und ausgegeben wird.

    Im offenen Vollzug hat man einmal wöchentlich für 1,5 Stunden die Gelegenheit in einem nahegelegenen Einkaufszentrum einkaufen zu gehen.


    Zum Briefverkehr: es dürfen nur der eigentliche Brief, Briefmarken, Fotos (kein Polaroid oder Passbild), Zeichnungen (auf normalem Papier), Postkarten und Grußkarten gesendet werden. Die Grußkarten dürfen nicht profiliert sein und die Umschläge nicht gefüttert. Außerdem dürfen keine Sticker auf Umschlag oder Brief aufgebracht sein.


    Pakete müssen vorher genehmigt werden. Die daraufhin herausgegebene Paketmarke, muss gut sichtbar auf das Paket geklebt werden, sonst wird es nicht angenommen. Es dürfen lediglich Wäschepakete (Inhalt gemäß Inhaltsverzeichnis) und Elektrogeräte gesendet werden. Körperpflege-, Genuss- und Nahrungsmittel sowie Bücher dürfen nicht gesendet werden. Diese dürfen nur über den Einkauf bezogen werden.


    Der Besuch ist auf 4 Stunden monatlich begrenzt, diese müssen aber nicht einzeln genommen werden. Nichtarbeiter erhalten Besuch generell vormittags und Arbeiter nachmittags. Beim Besuch darf nichts übergeben werden, nur in Ausnahmefällen und auf Antrag.


    Geld kann in der JVA nicht mehr eingezahlt werden, dies muss überwiesen werden und hat eine Laufzeit von ca. 10 Tagen.


    Sollte es noch Infos geben, die ich ergänzen kann, kann man mir das gern mitteilen.