Erfahrungen mit Sozialdienst

  • Hallo zusammen 🍀


    Mich wĂŒrde interessieren, wie Eure Erfahrungen als Angehörige mit den jeweiligen Sozialdiensten der JVAs so sind?

    Sind die Sozialarbeiter denn zuverlĂ€ssig und gut erreichbar? Habt ihr den Eindruck, dass ihr bei Euren Anliegen tatsĂ€chlich UnterstĂŒtzung bekommt?


    Ich hatte bisher zwei Mal telefonischen Kontakt mit dem Sozialdienst: einmal in der JVA Stadelheim, einmal in der JVA Bernau.

    WÀhrend die eine Sozialarbeiterin (Stadelheim) ziemlich unfreundlich und abweisend war, empfand ich die andere Mitarbeiterin (Bernau) als deutlich hilfsbereiter und zugÀnglicher.


    Ich persönlich kann mir durchaus vorstellen, dass der Job einem viel abverlangt und man daher dem Sozialdienst auch VerstĂ€ndnis entgegen bringen sollte, wenn es mal nicht so „rund“ lĂ€uft...

    Andererseits hat man als Angehöriger auch gewisse Erwartungen und ist auf die „Hilfe von Dritten“ angewiesen.


    Mich z.B. frustriert es gerade sehr, dass ich, trotz anderweitiger Absprache, bisher keine RĂŒckmeldung der Sozialarbeiterin bekam und diese nun auch heute nicht telefonisch fĂŒr mich erreichbar war.


    Vielleicht habe ich einfach zu hohe Erwartungen? 😅

    FĂŒr mich ist diese ganze Situation noch etwas Neuland.


    Ich freue mich auf Euer Feedback und bin Euch fĂŒr Eure Erfahrungen sehr dankbar 🌾


    Lg

    Cherry

  • Hallo Cherry, zunĂ€chst einmal sollte man sich vor Augen halten, dass der Sozialarbeiter in der JVA vordergrĂŒndig fĂŒr die Inhaftierten und nicht fĂŒr die Angehörigen da ist. Wenn sich Sozialarbeiter bereit erklĂ€ren den Angehörigen ebenso zur Seite zu stehen, dann ist das guter Wille.

    In den meisten JVAs muss ein Sozialarbeiter mehr als 100 Insassen betreuen. Das ist schon nicht zuschaffen. Wenn dann mal nichts kommt vom Sozialarbeiter, obgleich es eine Zusage gab, muss man das so hinnehmen.


    Siehe es mal so, dass, sie sich mit dir ansich gar nicht auseinander setzen mĂŒssen, es aber trotzdem versuchen noch irgendwie unter zu bekommen. . Hab Geduld, irgendwann kommt das erwartete Feedback.


    LG Kaja

  • Wie Kajada schon geschrieben hat, in erster Linie sind die Sozialarbeiter fĂŒr die Insassen zustĂ€ndig. Man kann sich zwar auch mal als Angehöriger an Sie wenden, das sollte aber alles im Rahmen bleiben.

    Ich hatte wĂ€hrend der Haftzeit 2 oder 3 mal Kontakt, das aber erst als es auf die Lockerungen aus dem offenen Vollzug ging. Es waren kurze GesprĂ€che, die fĂŒr mich aber ausfĂŒhrlich genug waren.

    Setze Deine Erwartungen nicht so hoch an, denke sie wird sich schon noch bei Dir melden.


    LG

    maximus

    Meine Vergangenheit ist Geschichte...meine Zukunft mein Geheimnis und jeder Augenblick ein Geschenk

  • Hallo Cherry,


    Ich hatte auch mit einer Dame vom Sozialdienst in Stadelheim telefonischen Kontakt.

    Sie konnte mir zwar bei meinem Anliegen nicht weiterhelfen, hat mir aber paar Tipps gegeben und war sehr nett und freundlich. Musste aber auch etwas auf Antwort warten...


    Ich weiss ja nicht ob du jetzt fĂŒr Bernau oder Stadelheim mich Hilfe brauchst, hĂ€tte aber glaub ich hĂ€tte noch die Email Adresse von einer Dame in Stadelheim.

    Lg

  • Hallo Cherry,


    Habt ihr den Eindruck, dass ihr bei Euren Anliegen tatsĂ€chlich UnterstĂŒtzung bekommt?

    Hört sich so an als hĂ€ttest du diesen Eindruck nicht und vom ganzen Tenor deines Beitrags her hört es sich etwas so an als wĂŒrdest du eine gewisses dazutun unterstellen, weil ihnen ihr Job ja so viel abverlangt..Bei dem Handeln der Sozialarbeiter gibt es wie in jedem Job gewisse Spielregeln und auch Grenzen des Handelns und es sind wohl auch nicht alle Anliegen, die manch ein Angehöriger so hat, auch tatsĂ€chlich umsetzbar. Zumal die Dame, wie die Vorrednerinnen schon deutlich gemacht haben, eigentlich ĂŒberhaupt nicht zustĂ€ndig dafĂŒr ist sich um deine Anliegen zu kĂŒmmern. Du solltest also eher dankbar sein dass sie sich ihnen scheinbar dennoch annimmt statt ungeduldig zu werden ;-)


    Also sind deine Erwartungen wohl definitiv zu hoch ;-)


    Wir hatten bisher in beiden JVAen meines Mannes sehr gute Erfahrungen mit den Sozialdiensten, beide Damen haben (so wie die bei dir auch) mehr gemacht als sie hĂ€tten mĂŒssen und waren beide sehr nett.


    Lg

    Pinzettin

  • Hi,


    ich hab bisher keinerlei eigene Erfahrungen mit den Sozialarbeitern dort gemacht. Und wĂŒsste auch gar nicht wozu ich den Kontakt zu ihnen suchen sollte?


    Und mein Mann ist wohl auch recht zufrieden mit Ihnen, zumindest hat er nie was gegenteiliges erwÀhnt.

    Zwei mal musste er bisher außer der Reihe bei mir anrufen, beide Male durfte er das ganz unkompliziert von ihrem BĂŒro aus tun. Was wir beide super fanden.


    Und ĂŒber ihre Beurteilungen in den VPKs ... man könnte drĂŒber diskutieren, muss man aber nicht. Ändert nix und ist letzten Endes nix falsches dran, auch wenn's anders ist wie man sich's vielleicht wĂŒnschen wĂŒrde.

    I am with you, til the end oft the line. - Captain America -

  • Vielen Dank fĂŒr die vielen Antworten 🍀


    Mir ist natĂŒrlich bewusst, dass die Sozialarbeiter in aller erster Linie fĂŒr die Inhaftierten zur VerfĂŒgung stehen und ich bin auch sehr dankbar dafĂŒr, dass man mir zumindest jetzt in Bernau UnterstĂŒtzung angeboten hat.

    Die Anliegen, die ich dort weitergetragen habe, betreffen ja in aller erster Linie meinen Partner ( z.B. seinen 10jĂ€hrigen Sohn aus einer frĂŒheren Beziehung, der den Kontakt zu mir gesucht hatte, weil er seinen Papa nicht erreichen konnte... das geschah dann unmittelbar nach der Inhaftierung).


    Zugegebenermaßen kenne ich es halt aus meinem Job eben anders, da fungiert der Sozialdienst oftmals als Schnittstelle zwischen Patienten und Angehörigen.

    Kann also dadurch gut möglich sein, dass ich deswegen zu hohe Erwartungen habe.


    Dann werd ich mich in Zukunft wohl in Geduld ĂŒben mĂŒssen 😅

  • Hi :)


    also meine Erfahrung mit dem Sozialdienst in Stammheim ist eigentlich ziemlich gut.

    Als ich versucht habe meinen ersten Besuchstermin telefonisch zu vereinbaren und aber ĂŒber Wochen hinweg niemanden erreicht habe, hat sich eine nette Sozialarbeiterin darum gekĂŒmmert, das ich von der "Terminvergabe" ausnahmsweise vorzeitig zurĂŒckgerufen werde und nicht erst wenn ich "dran" bin.

    Da ja auch der schriftliche Kontakt in der U-Haft relativ schwierig ist, haben mich verschiedene Sozialarbeiter auf Bitten meines Verlobten immer wieder angerufen um mir zu sagen, das es ihm soweit gut geht und um sich fĂŒr ihn zu erkundigen ob es schon einen Besuchstermin gibt.


    Also ich hatte das GefĂŒhl, das die meisten Sozialarbeiter sich trotz dieser Vielzahl an Inhaftierten wirklich bemĂŒhen, ihr bestes zu geben um natĂŒrlich ihm erster Linie den Inhaftierten aber wenn es möglich ist auch den Angehörigen zu unterstĂŒtzen :)

  • Also ich weiss, dass die Arbeit des Sozialdienstes in der JVA nicht unbedingt ein dankbarer Job ist. Alleine schon von der Anzahl der zugeteilten Inhaftierten, stelle ich mir das sehr schwierig vor, noch die Zeit zu finden sich um Angehörige zu kĂŒmmern. Und ich finde das super, dass manche Sozialarbeiter da tatsĂ€chlich ĂŒber den Tellerrand hinaus schauen. Und auch ein wichtiger Punkt, der zum Gesamtbild des Inhaftierten ein besseres Bild liefert, weil das Umfeld in mancher Hinsicht auch einen wichtigen Faktor zur ResozialisierungsfĂ€higkeit beitrĂ€gt.


    Ich musste dennoch leider bei uns feststellen, dass es auch andere Facetten gibt. Nach dem Wechsel meines Freundes in eine andere Abteilung, gab es auch einen Wechsel des Sozialdienstmitarbeiters bzw - Mitarbeiterin.

    Diese ist wohl noch sehr jung und sagte meinem Freund von Anfang an, er sei ein Gigolo und jede Frau, die mit ihm anbandelt wĂŒrde ihr Leid tun. Sie wĂŒrde Menschen wie ihn kennen usw. Das war bei einem der ersten GesprĂ€che mit ihm.

    Und leider spiegelte sich diese Einstellung in allen folgenden Versuchen irgendwelche AntrÀge zu stellen wieder.

    Beim 2/3 Antrag vertauschte sie meinen Namen und Adresse mit der seiner Mutter. Korrigierte dies auch auf immer wieder bitten nicht. Das fĂŒhrte dazu, dass die Richterin den Überblick verlor und annahm, er wĂŒrde bei vorzeitiger Entlassung in sein altes Umfeld zurĂŒck kehren. Man weigerte sich auch, ihm einen neuen Personalausweis auszustellen, nachdem er angab sich bei mir anzumelden nach der Haft. In den Unterlagen tauchte ĂŒberall diese Verwechslung mit meinem Namen und Adresse auf.


    Dann schrieb sie noch weitere Dinge in die Stellungnahme, die erfunden waren und obwohl wir Unterlagen haben, die das Gegenteil beweisen, wurde der Antrag letztendlich abgelehnt. Die Richterin war bei der Anhörung sichtlich verwirrt, was sie auch in ihrer BegrĂŒndung der Ablehnung zum Ausdruck brachte. Sie könne sich nicht erklĂ€ren, warum die Stellungnahme der Sozialarbeiterin so gegenteilig ausfiel, obwohl es diese Unterlagen gibt. Sie ging dann davon aus, dass mein Freund der Sozialarbeiterin die Unterlagen nicht zur VerfĂŒgung gestellt hĂ€tte. Aber ich persönlich habe nach dem Wechsel alle Unterlagen an die gute Frau geschickt, weil ich sichergehen wollte, dass sie alle Belege zusammen hat.

    Habe mir verkniffen sie anzuschreiben und zu fragen, warum sie das getan hat. Wollte meinem Freund nicht noch mehr Schwierigkeiten machen. Wer weiss, was sie daraus gebastelt hÀtte.

    Bei einem GesprĂ€ch mit dem Pfarrer der JVA, gestand er mir, dass viele Inhaftierte Probleme mit dieser Frau haben und dass man das wohl hinnehmen mĂŒsste, da ein Wechsel des Sozialarbeiters nicht ohne Weiteres möglich sei, da diese abteilungsgebunden sind.


    Also ich wĂ€re schon froh gewesen, wenn da ĂŒberhaupt wenigstens was richtig gelaufen wĂ€re... Heisst nicht, dass alle so arbeiten. Da haben wir eben einfach Pech gehabt. Aber da es hier um Erfahrungen ging, wollte ich mal meine/unsere nicht so schöne mit einwerfen.


    LG

    Saladan

  • Beitrag von Kajada ()

    Dieser Beitrag wurde von Chris aus folgendem Grund gelöscht: Absolut kein Bezug zum Thema. ().
  • Als ich das erste Mal in U - Haft eingesessen habe und wirklich auf den Sozialdienst angewiesen war, wurde ich von ihrer Arbeit ziemlich enttĂ€uscht. Montags haste einen Antrag auf ein GesprĂ€ch gestellt und eine Woche spĂ€ter Dienstags kam die Sozialarbeiterin zu mir auf den Haftraum.

    Ich wusste zwar, das die Uhren im Knast anders ticken, aber das sie so langsam voran schreiten hatte ich nicht erwartet. Zu dieser Zeit war die JVA auch völlig ĂŒberbelegt und ich hatte einen kleinen Vorteil, das sich mein kleiner Bruder dort in Strafhaft befand und ich vieles ĂŒber ihn regeln konnte und den Sozialdienst nicht mehr benötigte.

    Das heißt aber nicht, das die Sozialarbeiterin wirklich schlechte Arbeit geleistet hat, meinem Zellenkollegen hat sie mehrere Sonderbesuche ermöglicht, weil er seinen Neugeborenen Sohn noch nicht gesehen hat.


    Auch in Wittlich ist die Sozialarbeiterin sehr bemĂŒht gewesen, Inhaftierte zu unterstĂŒtzen. Es gab Inhaftierte die haben noch nie eine Überweisung auf ein Konto getĂ€tigt oder geschweige ein KĂŒndigungsschreiben erstellt. FĂŒr mich waren all das die normalsten Dinge der Welt, fĂŒr andere Inhaftierte böhmische Dörfer. All das bekommt man erst mit, wenn man einige JĂ€hrchen im Vollzug verbringt und die unterschiedlichsten Menschen trifft, die viele "NormalbĂŒrger" ĂŒbersehen.

    Trotzdem habe auch ich die Hilfe der Sozialarbeiterin benötigt und die bekam ich ziemlich schnell.

    Wie stressig ihr Job ist, bekommt jeder Gefangener mit, der mit ihr einmal im BĂŒro sitzt und ein GesprĂ€ch fĂŒhren will und stĂ€ndig unterbrochen wird, wenn stĂ€ndig das Telefon klingelt oder Gefangene ohne Termin einfach an die BĂŒrotĂŒre klopfen und noch frech werden, wenn sie von der Sozialarbeiterin gebeten werden, doch einen Antrag zu stellen.

    Es gibt natĂŒrlich auch Sozialarbeiters, die irgendwann einmal aufgegeben haben und sich auf Grund dieses Stresses einen anderen Job gesucht haben. Es gibt einfach viel zu wenige Sozialarbeiter in einer JVA und wenn man bedenkt das eine Anstalt im Durchschnitt 500 Gefangene hat und nur ein Sozialarbeiter zur VerfĂŒgung steht, weiß man was sie dort leisten.

    Mit einigen Sozialarbeiter stehe ich in Kontakt und werde immer freundlich am Telefon empfangen und auf mein Anliegen wird dann auch eingegangen.

    Wenn man als Angehöriger dort wegen jeder Kleinigkeit anruft und sich womöglich noch beschwert, muss man sich nicht wundern, wenn irgendwann die Nerven auch beim Sozialarbeiter dĂŒnner werden. Deshalb sollte man vorher ĂŒberlegen ob es wirklich notwendig ist, jetzt den Sozialarbeiter(in) anzurufen, oder einfach sich mal in Geduld zu warten bis der Partner sich meldet.


    Man darf nie vergessen, das auch die Sozialarbeiter(in) Regeln in der JVA befolgen mĂŒssen und z. B. einen U-HĂ€ftling einfach mal so telefonieren lassen dĂŒrfen.

    Ich könnte diesen Job nicht machen, mir klingelt manchmal sogar mein Telefon viel zu oft und komme dann meiner eigentlichen Arbeit gar nicht mehr so richtig nach.

    Was doch fĂŒr ein Netz wir weben,


    wenn wir den Weg der TĂ€uschung gehen.