Schadensersatz

    • Schadensersatz

      Mein Sohn schreibt:
      Es wird ein zivilrechtlicher Prozess angestrebt.
      Die Mindestforderung liegt bei mehr als 7000 Euro.
      Eventuell ist eine außergerichtliche Einigung möglich.

      1. Das Opfer hat alles Recht der Welt auf Schadensersatz.
      2. Der Sohn ist hochverschuldet, hat Angst vor einer erneuten Öffentlichkeit und bittet um Hilfe
      3. Ich weiß nicht worüber ich mehr verzweifelt bin: über die Tatsache, dass ich zum xxxten Mal um Geld gebeten werde.
        Oder dass sich die Angehörige wieder an das Fernsehen wenden könnte.
        Nach dem Urteil hatte sie sich an eine TV Sendung gewandt. Das Strafmaß war ihr zu gering ausgefallen.
        Die Hasskommentare der Zuschauer waren entsetzlich.
      Ich kann ihm nicht helfen.

      Frage: Wird dann die Höhe des Schadensersatzes in einem Prozess festgelegt?
    • Ich habe viele Inhaftierte gekannt, die von solchen Zivilprozessen zu Schadenersatzansprüchen verurteilt wurden. Einige von Ihnen wurden erst gar nicht zum Verhandlungstermin vorgeladen, manche dagegen schon.

      Wenn es zu einer Verurteilung kommt, wirst Du mit Sicherheit nicht zur Kasse gebeten, sondern man wird es bei Deinem Sohn holen.

      Viele Gefangene glauben, das auf Grund des niedrigen Einkommens vor Pfändungen geschützt sind, was jedoch ein Irrtum ist.
      Gefangenen erhalten nur einen Teil (3/7 )des verdienten Geldes als Hausgeld, ein Teil (4/7 glaube ich) wird für das Überbrückungsgeld zurück gelegt. Ist die festgesetzte Höhe des Ü - Geld erreicht, gehen diese 4/7 auf das Eigengeld.
      Verbrechens-Opfer können sich von arbeitenden Häftlingen das Geld für eine Entschädigung wiederholen, indem sie deren Gehalt pfänden lassen. Diese Pfändung hat absoluten Vorrang vor eventuellen anderen Pfänungen. Ich kenne leider nicht genau diesen Paragraphen, so sollen Verbrechens-Opfer nicht allzu lang auf ihre Entschädigung warten müssen.


      Ob das Urteil Deines Sohnes nun zu niedrig oder zu hoch ausgefallen ist, kann ich nicht beurteilen, will ich auch nicht.

      Aber, es gibt immer Menschen die anderer Meinung sind, besonders die Seite der Opfer. Damit muss man Leben und das ein Leben lang.

      Hätte ich heute wieder die Wahl, wie damals, wäre ich mit Sicherheit einen völlig anderen Weg gegangen.
      Aber leider kommt die Weisheit erst mit dem Alter.
      Meine Mutter z. B. leidet immer noch unter den Besuchen ihrer Söhne im Knast. Sie schämte sich auch vor der Öffentlichkeit, vor der Verwandtschaft und Bekannten.
      Denn sie hat ja gesunde und kräftige Jungs auf die Welt gebracht, ihnen eine gute Erziehung mit gegeben und keiner durfte ohne abgeschlossene Berufsausbildung aus dem Haus.
      Tja, und trotzdem bogen wir auf die schiefe Bahn ab.
      Daran ist keiner meiner Eltern schuld, sondern ganz allein wir. Die lieben Psychologen sehen das bei vielen Kriminellen oft anders, was ich für völlig schwachsinnig halte.

      Mach Dir daher keinen Kopf, denn es geht hier nicht um Dich sondern um Deinen Sohn. Er hat es verbockt, er ist der Schuldige und muss nun, auch wenn es hart klingt, alleine dadurch.
      Mit Deinen regelmäßigen Besuchen machst Du schon das, was Dir überhauptmöglich ist.

      Du kannst es doch eh nicht ändern, wenn die Opferseite wieder in die Öffentlichkeit gehen würde, da hast Du keinen Einfluss drauf. Komm lieber wieder zu Ruhe......und lass Dich nicht wieder um Geld anhauen......er hats verbockt...
      Was doch für ein Netz wir weben,
      wenn wir den Weg der Täuschung gehen.
    • Hallo Seniorenkino,

      mach die Probleme Deines Sohnes nicht zu Deinen und versuch Dich abzugrenzen.

      Mein Partner (Gewaltdelikt) ist durch die Inhaftierung/Tat auch hoch verschuldet und muss ein nicht unerhebliches Schmerzensgeld an das Opfer zahlen. Wie er das jemals bewältigen will bzw kann - ich weiß es nicht. Er hat mich jedoch nie gebeten, für ihn Geld zu bezahlen. Und das hätte ich auch nicht gemacht.

      Chris hat einen tollen Beitrag geschrieben.

      Achte auf Dich, lass es Dir gut gehen. Sei für Deinen Sohn da, aber lass ihn den verzapften Bockmist selber richten. Manchmal fällt das schwer - ich habe es in den nun fast 3 Jahren lernen müssen und es geht mir besser damit.

      Ganz liebe Grüße,

      Darky
    • Hallo Darky,
      vielen Dank für deine Sicht der Dinge.
      Irgendwie geht mir der Spruch nicht aus dem Kopf: da wirst du alt wie ne Kuh und lernst immer noch dazu.
      Danke noch mal für die Denkanstösse.
      Und das der Beitrag von Chris toll ist, dem muss ich uneingeschränkt zustimmen. Sehr.

      Inzwischen bin ich etwas entlastet. Kurz nach seiner Bitte um Geld kam die Nachricht, dass er diesbezüglich zurückrudern möchte und auf keinen Fall Geld von mir will. Er habe das Schreiben in der ersten Panik verfasst.
    • seniorenkino schrieb:

      Er habe das Schreiben in der ersten Panik verfasst.
      Tja.....so kann man sich auch entschuldigen. Wahrscheinlich ist ihm nun endlich doch ein Lichtlein aufgegangen.

      Ich fand das immer sehr dreist, was manche Mitgefangene ihren Angehörigen zugemutet haben.
      Wenn z. B. Geld für die Fernsehermiete gefehlt hat, kam immer der Spruch, das lass ich mir von draussen bezahlen. Die Angehörigen haben dann immer fleißig Zweckgebunden das Geld für die Miete überwiesen. Fehlte Geld für die Spielkonssole, mussten die Angehörigen herhalten.

      Wurde dann mal von draussen gesagt, hörmal das können wir uns nicht immer leisten, wurde vom Gefangenen gleich die Moralschiene gefahren, wie z. B. hier herrscht im Hof voll die Gewalt, ständig sind da Schlägereien. Was soll ich denn ohne TV in der Zelle machen? Da bleibt mir doch nichts anderes als nur in den Hof zu gehen um Abwechslung zu haben.
      Ach, ich kann hier Geschichte um Geschichte schreiben, was sich so manch Inhaftierter so einfallen läßt, um ans Geld von draussen zu kommen.
      Es sind natürlich nicht alle so, aber es gibt mehr davon, als man so denkt.

      Bei Geld sollten Angehörige immer gynz genau hinschauen und hinhören. Hier und da mal ein paar Briefmarken oder eine Telefonkarte sind völlig okay. Sofern es aber um größere Anschaffungen geht, genau überlegen, ggf. mit der Anstalt Rücksprache halten. Viele Anstalten begrenzen die Finanzierungen von Angehörigen auch, wegen der Gleichberechtigung anderer Gefangenen die keine Angehörige mit Geld haben.

      So war es zur meiner Zeit in Wittlich....als der Strom dann aauf die Hafträume kam. :grinser:
      Was doch für ein Netz wir weben,
      wenn wir den Weg der Täuschung gehen.
    • Chris schrieb:

      Viele Gefangene glauben, das auf Grund des niedrigen Einkommens vor Pfändungen geschützt sind, was jedoch ein Irrtum ist.
      Gefangenen erhalten nur einen Teil (3/7 )des verdienten Geldes als Hausgeld, ein Teil (4/7 glaube ich) wird für das Überbrückungsgeld zurück gelegt. Ist die festgesetzte Höhe des Ü - Geld erreicht, gehen diese 4/7 auf das Eigengeld.
      Verbrechens-Opfer können sich von arbeitenden Häftlingen das Geld für eine Entschädigung wiederholen, indem sie deren Gehalt pfänden lassen. Diese Pfändung hat absoluten Vorrang vor eventuellen anderen Pfänungen. Ich kenne leider nicht genau diesen Paragraphen, so sollen Verbrechens-Opfer nicht allzu lang auf ihre Entschädigung warten müssen.
      Das ist wohl auf der einer Seite richtig so, aber es ist auf Grund des geringen Verdienstes ist nicht viel Geld vorhanden fuer eine moegliche Entschaedigung. Ich frage mich manchmal ob es nicht mehr Sinn macht ehrlich alle Kosten mit den Verdienst abzurechnen. Das waehre gut fuer Geschaedigte und fuer den Inhaftierten. Ehrlich heist das der Gefangene einen realistischen Lohn fuer seine Arbeit bekommt, davon aber wiederum Staatsausgaben (Sprich Miete und ander Kosten fuer den Vollzug) bezahlen muss. Dann bleibt zwar am Ende nicht viel mehr fuer den Gefangenen uebrig, aber es waehre dann moeglich das man die Enschaedigung fuer Opfer als wichtiger ansieht als die Bezahlung der Kosten fuer den Vollzug. Es wuerde dann auch die Moeglichkeit geben das der Gefangene in die Rentenkasse einzahlt und es waehre Moeglich das Gefangene durch Selbstaendige Arbeit (Im Rahmen des Moeglichen) wesentlich mehr der Gesellschaft zurueck geben kann. Eine Resozialisierung waehre dann auch einfacher da Leistung und Arbeit miteinander verknuepft sind. Die Strafe sollte man eigendlich eher in dem Entzug der Freiheit sehen und nicht in der nachhaltigen Zerstoerung des Lebens eines Gefangenen.
      Bernd