Feuer in JVA Köln

    • Feuer in JVA Köln

      Feuer in JVA Köln Vergewaltiger aus der Bonner Siegaue hatte Feuerzeug in Zelle



      Köln -Bei einem Brand in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Köln ist in der Nacht zu Mittwoch ein Häftling schwer verletzt worden. Nach Angaben der Anstalt handelt es sich um den im Oktober wegen besonders schwerer Vergewaltigung und räuberischer Erpressung zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilten Vergewaltiger aus der Bonner Siegaue. Der Fall hatte bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt.

      Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Brandstiftung

      Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wurde ein weiterer Insasse leicht verletzt. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln: „Wir ermitteln gegen den Tatverdächtigen wegen vollendeter Brandstiftung", sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer.



      Paul S. wurde noch in der Nacht operiert und anschließend in ein künstliches Koma versetzt. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ erfuhr, sollte dieser Zustand zunächst drei Tage aufrecht erhalten werden, nunmehr ist von einer ganzen Woche die Rede. Akut lebensbedrohlich sollen die Verletzungen nicht sein.

      Die Ärzte stellten Verbrennungen zweiten und dritten Grades fest. Es heißt, zwischen 20 und 30 Prozent der Haut habe entfernt werden müssen, weil sich die Kleidung teilweise in die Haut eingebrannt habe.

      Auch zwei Bedienstete wurden durch das Feuer verletzt – eine Beamtin hat sich am Morgen selbstständig wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Ihr Kollege, der zugleich Leiter der Nachtschicht war, suchte am Vormittag einen Arzt auf, der ihn mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus überwies. Dort wurde der Beamte zur Beobachtung stationär aufgenommen.



      Der Fall Bonner Siegaue

      Paul S. war erst vor wenigen Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Bonn sah es als erwiesen an, dass der 31-Jährige im April ein junges Paar überfallen hatte, das in der Siegaue in Troisdorf zeltete. Der Angeklagte schlitzte demnach nachts das Zelt auf, bedrohte das Paar aus dem Raum Freiburg mit einer Astsäge und vergewaltigte die 23-jährige Frau.

      Der 31-Jährige - ein abgelehnter Asylbewerber aus Ghana - wurde wenige Tage nach der Tat festgenommen. Im Prozess bestritt er die Tat. Er hat Rechtsmittel eingelegt. Das Gericht stützte sein Urteil vor allem auf DNA-Spuren.

      Legte Paul S. das Feuer selbst?

      Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ verfolgt die Polizei Hinweise, wonach Paul S. das Feuer in der Nacht selbst gelegt haben soll. Träfe das zu, wäre es nicht das erste Mal – schon am 10. April vergangenes Jahr, kurz nach seiner Inhaftierung, hatte der 31-Jährige in seiner Zelle in Ossendorf ein Feuer gelegt. Die Auswirkungen waren seinerzeit überschaubar, verletzt wurde niemand. Paul S. soll Papier angezündet haben.

      Bedienstete entdeckten später einen frischen Brandfleck und sprachen ihn darauf an. Als er zugab, gezündelt zu haben, nahmen die Beamten ihm sein Feuerzeug ab. Paul S. wehrte sich mit Schlägen dagegen und wurde daraufhin in den Hochsicherheitsbereich verlegt. Auch dabei schlug und trat er nach JVA-Bediensteten, einer wurde leicht im Gesicht verletzt.

      Wie der stellvertretende Anstaltsleiter Wolfgang Schriever nun berichtet, habe der 31-Jährige das Feuerzeug aber „nach einer gewissen Zeit“ wieder zurückbekommen. Ungewöhnlich sei das nicht. Im Gegenteil: „Eine solche Maßnahme kann man nicht ewig aufrecht erhalten. Außerdem: Dann besorgt sich der betreffende Gefangene eben eines von einem Mitgefangenen.“

      Rauchen ist Häftlingen nicht nur in Köln gestattet

      Grundsätzlich ist es den Häftlingen in Köln erlaubt, in ihren Zellen zu rauchen – so wie in den meisten übrigen Gefängnissen auch. „Wir können ihnen das ja nicht abgewöhnen. Und wenn Sie für jede Zigarette einen Bediensteten rufen müssten, kämen wir hier zu nichts anderem mehr“, sagt Schriever.

      Ein generelles Rauchverbot in allen Gefängnissen ist gesetzlich kaum durchsetzbar, ohne die Persönlichkeits- und Freiheitsrechte der Inhaftierten zu verletzen. So sieht das Nichtrauchergesetz in NRW zum Beispiel explizit vor, dass „das Rauchen in den Hafträumen gestattet“ ist – mit einer Ausnahme: wenn in einer Zelle mehrere Gefangene untergebracht sind und mindestens einer Nichtraucher ist.
      (mit mbr/dpa)
      Was doch für ein Netz wir weben,
      wenn wir den Weg der Täuschung gehen.
    • Gut gemachter Bericht, respekt

      Ich habe es nie verstanden warum eine JVA Feuerzeuge erlaubt. Warum kann man nicht einfach Zigraettenanzuender (Wie sie in Autos verwendet werden) ausgeben. Dann kann man die Bude nicht anzuenden, oder hat zumindestens Probleme damit.
      Es werden sicher Gerichte sich damit beschaeftigen muessen ob die JVA und das Krankenhaus die Fuehrsorgepflicht von Paul S. nachgekommen ist.
      Bernd
    • Dispo schrieb:

      Gut gemachter Bericht, respekt
      Danke, aber das Lob kann ich nicht so annehmen. Den Text habe ich von der dpa (Deutsche Presse-Agentur), die Bilder sind aus dem Bildarchiv. Ich habe den ganzen Kram nur formatiert und unterhalb des Textes auch in Klammern die Quelle genannt.


      Zu Deiner Idee mit dem Zigarettenanzünder kann ich Dir einiges schreiben. Es gibt auch in der Haft etwas Demokratie und einen Gefangenenfürspecher, der ist die Verbindung zwischen Anstalt und Gefangenen.
      Da wurde unteranderem auch eine Beschwerde besprochen, wegen den Elektronischen Feuerzeugen. Die haben nicht solange gehalten wie die verbotenen Feuerstein Feuerzeugen. Man hat nach Alternativen gesucht und es kam auch ein ähnlicher Vorschlag wie Deiner. Doch dieser wurde gleich wieder Verworfen, wegen der Sicherheit und Ordnung. So ein glühender Draht - Anzünder kann noch leichter als Waffe verwendet werden, als so ein Feuerzeug.
      Kommt bestimmt nicht gut, so ein Anzünder ins Auge zu bekommen.

      Das herkömmliche Rauchen zu verbieten ohne die Persönlichkeits- und Freiheitsrechte der Inhaftierten zu verletzen, wird nicht möglich sein.
      Was ich mir vorstellen kann, ist die elektrische Zigarette, oder auch elektronische Zigarette genannt, ist ein das durch eine elektrisch beheizte Wendel eine Flüssigkeit, das sogenannte Liquid, zum Verdampfen bringt. Der entstehende Nassdampf wird vom Konsumenten inhaliert oder gepafft. Im Unterschied zur Zigarette findet kein Verbrennungsprozess statt. 2013 wurden weltweit E-Zigaretten für etwa 2,5 Milliarden US-Dollar verkauft.
      Alle neuen Erfindungen benötigen ihre Zeit um sich durchzusetzen. Wenn irgendwann mal von 100 Rauchern 95 E-Zigarretten verwenden, könnte auch im Knast eine Veränderung stattfinden, ohne die Persönlichkeits- und Freiheitsrechte der Inhaftierten zu verletzen.

      Ich selbst rauche seit 2012 nicht mehr, kann aber jeden Inhaftierten verstehen, der auf Zelle raucht. Selbst manche Nichtraucher, die vor Jahren schon das Rauchen aufgegeben haben, wurden hinter Zellentüren wieder zum Raucher. Das Rauchen lenkt von vielen Dingen ab, vorallem wenn du keinen Strom auf dem Haftraum hast.
      Aber dass liegt ja schon alles Jahre zurück.

      Ich kann mir nicht vorstellen, dass man gegen Brandstiftung in den Hafträumen etwas machen kann, genauso wie man einen Suizidgefährden nicht daran hindern kann, sich das Leben im Haftraum zu nehmen.
      Was doch für ein Netz wir weben,
      wenn wir den Weg der Täuschung gehen.
    • Ich denke mal das Ziel sollte sein, das der Haeftling rauchen kann ohne die Sicherheit andere (und sich selbst) zu gefaerden. Ich sehe ein das es keine gute Idee ist weder einen gluehenden Draht (nichtoxidierendes hartes oder nur schwach oxidierendes hartes Material) in der Zelle zusulassen noch ein Feuerzeug. Beides kann nicht nur verwenden um jemand anderen oder sich slebst zu verletzen. Ich verstehe jetzt warum man auch ein Problem mit einen Tauchsieder hat. Steichhoelzer gehen auch nicht, da muss man sich mal hinzsetzen und was wirklich neues entwickeln.
      Die Idee mit den E-Zigaretten ist nicht schlecht. Ich bin mal gespannt wie die Diskussion ueber E-Zigaretten in ein paar Jahren ausgehen wird. Ich rauche jetzt seit mehr als 30 Jahren nicht mehr, kann aber immer noch nachvollziehen das man es schlecht verbieten kann.
      Bernd