35er trotz erledigtem 64er?

  • Hallo,


    Ich war 18 Monate im Maßregelvollzug in Regensburg, hatte zuletzt die Stufe D3 und war schon ausgezogen. Wegen eines Rückfalls den ich gemacht hatte, obwohl ich ausdrücklich gewarnt wurde, befinde ich mich jetzt im Abbruch. Die Anhörung fand schon statt und den Beschluss habe ich auch schon. Ich werde demnächst wohl in die JVA Amberg gebracht wo ich noch etwa drei Jahre zu sitzen habe (insgesamt drei Jahre mit zwei Vollstreckungen).


    In der Stellungnahme wird mir Oberflächlichkeit und Lifestyle-Konsum (statt Suchtproblem) attestiert. Ich würde angeblich keine Vermeidungsstrategie anwenden und wollte angeblich ganz bewusst konsumieren. Und da ich mich ja schon fast am Ende der Therapie befände, könne man mir keine weitere Hilfe mehr anbieten, da ich quasi 'austherapiert' sei.

    Außerdem würde ich den Therapeuten nur erzählen was diese hören wollten.


    Jetzt befinde ich mich seit dem 27.2.19 in der Abbruchstation.


    Meine Anwältin meinte, ich solle es in der JVA mit dem §§ 35 BtmG probieren. Beide Strafen sind zeitnah rückstellungsfähig. Außerdem bin ich komplett ohne Rückfall in der Abbruchstation.


    Meine Frage lautet:

    Ist es denn überhaupt möglich, dass ich eine kostenzusage bekomme trotz gescheitertem 64er? Oder gibt es wesentliche Unterschiede in den beiden Therapieformern, die einen neuen Versuch mit einer anderen Therapie rechtfertigen würden?

    Also ich hatte hier in der Forensik ja ständig ein Glaubwürdigkeitsproblem mit den Therapeuten. Ich hätte viel lieber einen Ex-User als Therapeuten, weil ich mit Vorbildern ("der hats geschafft") persönlich mehr anfangen kann, als mit den Studierten Theoretikern, die einem was von Abhängigkeit erzählen wollen.


    Ich frage mich ja wirklich, ob ein 35er einen Unterschied machen würde. Und ich denke, dass dort weniger Druck herrscht. Im 64er muss man sich ja total unterordnen können.

  • Unterschiede zwischen § 64 StGB + § 35 BtMG–Therapie statt Strafe

    Lies Dir das mal bitte durch. Großer Unterschied zwischen den § ist dass der 64iger im Urteil verankert wird.

    Es wird sicher nicht einfach, nach einem Abbruch einen Kostenträger davon zu überzeugen, so schnell wie möglich eine andere Therapie zu machen. Zumal die JVA da dann auch noch ein Wörtchen mitspricht, sie müssen auch überzeugt sein, dass die Therapie diesmal greift.

    Hmm...meinst Du , selbst wenn es auf den 35iger geht, Du wirst von einem EX-User therapiert?

    Ein gewisser Druck den gibt's in jeder Therapie, es kommt am Ende auf Dich an was Du draus machst.

    Meine Vergangenheit ist Geschichte...meine Zukunft mein Geheimnis und jeder Augenblick ein Geschenk

  • Hallo


    Ich habe gerade einen 64er in Niedersachsen hinter mich gebracht.


    Also ich kann nur sagen das es verdammt schwierig wird n Zusage fürn 35er zu bekommen.

    Wollte ich auch machen, weil ich es im 64er nicht mehr ausgehalten habe und wollte mich selbst erledigen.

    Hab dann doch die Arschbacken zusammen gekniffen..


    Habe etliche Leute gesehen, die erledigt wurden, und nun ihre Zeit im Knast absitzen...

    Bei einigen wurde noch nicht einmal die Zeit die sie im 64er waren angerechnet..!

    Anträge ohne Ende gestellt, aber alles vergeblich.


    Vor allem brauchst du auch von der JVA zuerst einmal eine positive Prognose. und die bekommst du nicht in 2-3 Monaten... das dauert auch seine Zeit..


    Aber laut meiner Info hat es keiner von denen geschafft auf 35er rauszukommen..


    Ist halt n Scheiss System in dem wir hier drin stecken..


    Und zum Thema Ex-User im 35er....

    Hatte einige Leute die früher mal n 35er hatten bei mir mit untergebracht, und die haben auch einiges an Erfahrung berichtet..


    Das sind zum grossteil genausolche Therapeuten die selbst noch nie irgendwelche eigenen Erfahrungen mit Stoff hatten...

  • Hallo,


    vielleicht klappt es ja mit Plätzen ohne Kostenzusage. Mein Freund sollte zuerst zu den Fleckenbühlern, da man aus der U-Haft hinaus ja eher keine Zusage bekommt. Bei den Fleckenbühlern gibt es keine Therapeuten, sondern ausschließlich ehemalige Konsumenten, welche dich auf deinem Weg aus der Abhängigkeit heraus begleiten.

  • bea….selbst wenn die Fleckenbühler in Frage kommen würden, benötigt er eine positive Stellungsnahme von der JVA und die wird es nicht so schnell geben.

    Zumal man mit dem System der Feckenbühler auch klar kommen muss....6 Monate kein Kontakt nach draussen, Raucher müssen auf ihr Laster auch ganz verzichten.

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  • Meine Anwältin ist da nicht so skeptisch. Sie meinte, dass ich ggf. in der jva noch ein halbes Jahr an einer Suchtgruppe teilnehmen muss, als Motivationsnachweis. Außerdem steht ja in meinem Gutachten, welches vor zwei Jahren gemacht wurde, dass ein 64er oder 35er für mich in Frage käme. Ich hatte also die Wahl. Habe mich dann dummerweise für den 64er entschieden.

    Auf jeden Fall vermute ich, dass es nicht einfach wird. Ich werde gut argumentieren müssen beim kostenträger. Meine Anwältin wird mir im Zweifel dabei helfen.

  • Der Kostenträger ist das "kleinere" Problem - es geht um das Okay des zuständigen Gerichts, welches zb die Stellungnahme der JVA mit in seine Entscheidung einbezieht.

    Wobei ich die Chance auf 35er nicht prinzipiell als so problematisch ansehen würde, ich hab von einigen erledigten 64ern gehört, bei denen es ohne Probleme geklappt hat.

    Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.

    [Abraham Lincoln]

  • Meine Anwältin hat nach meinem Abbruch im 64er eine schriftliche Bestätigung über die Therapieerfolgsaussicht von der Oberärztin angefordert, in welcher steht, dass eine weitere Therapie sinnvoll sein könnte, sofern sich meine Haltung und Selbsteinschätzung ändert.

    Meine Anwältin meinte, dass es mit dieser Bestätigung leichter werden könnte einen 35er durchzusetzen.

  • Meine Anwältin hat nach meinem Abbruch im 64er eine schriftliche Bestätigung über die Therapieerfolgsaussicht von der Oberärztin angefordert, in welcher steht, dass eine weitere Therapie sinnvoll sein könnte, sofern sich meine Haltung und Selbsteinschätzung ändert.

    Meine Anwältin meinte, dass es mit dieser Bestätigung leichter werden könnte einen 35er durchzusetzen.

    Darf ich mal ganz naiv fragen wie und vor allem, nach welcher Zeit man denn nachweisbar bemerkt das sich Haltung und Selbsteinschätzung verändert haben?

    So etwas "wächst" doch.

    I am with you, til the end oft the line. - Captain America -

  • Darf ich mal ganz naiv fragen wie und vor allem, nach welcher Zeit man denn nachweisbar bemerkt das sich Haltung und Selbsteinschätzung verändert haben?

    So etwas "wächst" doch.

    Ich werde zu dem obligatorischen Lebenslauf noch einen (frewilligen) Aufsatz zu meiner Therapieentscheidung hinzufügen. Darin begründe ich kurz den 64er-Abbruch aus meiner Sicht. Außerdem werde ich darin beschreiben was sich während des zweimonatigen Aufenthalts in der Abbruchstation bei mir und meiner Haltung verändert hat.


    Es ist nämlich so, dass ich zum Ende des 64er hin zu Selbstsicher wurde und die Gefahren unterschätzt hatte.


    Neben meinem Aufsatz wird sich auch der Suchtberater in der JVA ein Bild über mich machen können. Und die Teilnahme an der Suchtgruppe in der JVA ist ja meistens Voraussetzung für eine positive Prognose.

  • Meine Anwältin hat nach meinem Abbruch im 64er eine schriftliche Bestätigung über die Therapieerfolgsaussicht von der Oberärztin angefordert, in welcher steht, dass eine weitere Therapie sinnvoll sein könnte,.....

    Ist der Bericht lediglich ANGEFORDERT worden oder hast du ihn tatsächlich bekommen? Wenn ja,: Was genau steht drin?

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    [Abraham Lincoln]

  • Ist der Bericht lediglich ANGEFORDERT worden oder hast du ihn tatsächlich bekommen? Wenn ja,: Was genau steht drin?

    Ok ich zitiere mal aus der Stellungnahme:


    Herr xxxxxx befindet sich seit dem 02.08.2017 in unserer stationären Entwöhnungstherapie gemäß § 64 StGB. Am 07.03.2019 regten wir die Erledigung der Maßregel wegen fehlender Erfolgsaussicht an.


    Während des aktuellen Therapieprozesses bagatellisierte Herr xxxxxx seine Suchterkrankung, entwertete immer wieder Therapieangebote. Es gelang ihm nicht, eine Abstinenzbereitschaft zu entwickeln, sein Konsumverhalten (mehrere Rückfälle während der Therapie) empfand er als Bestandteil seines Lebensstils und sah darin nichts krankheitswertiges.


    Sollte sich bei Herrn xxxxxx im Zuge zukünftiger Reflexion und Entwicklung eine andere Haltung und Selbsteinschätzung einstellen, könnten weitere Therapieangebote sinnvoll sein.


    Zitat Ende.


    Diese Stellungnahme stammt aus der gleichen Feder wie der Abbruchantrag, deswegen liest sich das so negativ.

    Aber immerhin bleibt mir mit dieser Stellungnahme noch eine Tür offen.

    Meine Anwältin hatte diese Idee und ich muss sagen, alleine dafür hab ich gerne meine Ersparnisse geopfert. :gnade:

  • Moin,


    für mich liest sich das durchaus gut. Ein wenig Zeit ins Land wirst Du wohl dennoch gehen lassen müssen.


    Bei meinem Mann war es so das er laut JVA ca ein Jahr nach Abbruch des 35ers einen neuen Antrag darauf hätte stellen können. Bis dahin ist dann auch die positive Entwicklung dokumentierbar.


    Sie müssen sich dort ja erst mal ein Bild machen von Dir, auch einen Platz in ner Suchtgruppe zu bekommen klappt nicht von heute auf morgen.


    Man könnte sich in den Hintern beißen, oder?

    I am with you, til the end oft the line. - Captain America -

  • Du sagst es.


    Andererseits hat der Suchtberater der JVA Amberg gemeint, dass sich dieses 35er-Procedere dank dieser Stellungnahme wesentlich beschleunigt.