Maßregelvollzug Eberswalde/ Brandenburg I

  • Ein halbes Jahr ist fast geschafft.

    Viele Infos, teils widersprüchlich, teils wohl "Flurfunk" prasseln auf uns ein.

    Vieles liegt aber noch in weiter Ferne, in der Zukunft, eben ziemlich weit weg.


    Ende des Monats kommt zum Besuch kurz die neue Psychologin hinzu , um uns Kennenzulernen.

    Dann werden wir einen Termin für ein Angehörigengespräch ausmachen.Das ist wohl wirklich die Ausnahme.

    Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen (momentan noch wenig, aber ich kenne mich: wenn's soweit ist, wie kurz vorm Mathetest) und auch etwas unsicher.

    1. Die Psychologin ist erst 26 Jahre alt, genauso alt wie unser Sohn.

    Ich stelle es mir merkwürdig vor, bin aber trotzdessen jetzt nicht ob ihrer Qualität beunruhigt.

    2. Ich und auch mein Mann hatten noch nie mit Psychologen ( o.ä.) Kontakt .Wir waren immer die "Selbermacher/-regler".

    Ich mag nicht das Gefühl man könnte mir in den Kopf schauen.Ist das verständlich ausgedrückt ?

    3. Unser Sohn wird bei dem Gespräch dabei sein.

    In meinen Augen kontraproduktiv.

    Es gibt sicher einiges was er nicht unbedingt hören muss.Schon um ihn nicht mental runterzuziehen.

    Wir konnten schon einiges bei ihm ansprechen und er hat auch immer bei späteren Telefonaten oder Besuchen nachgefragt oder etwas dazu geäussert.

    Also hat da die Therapie in meinen Augen schon eingesetzt und auch etwas ins Rollen gebracht.Aber ich würde eventuell mehr preisgeben, wie auch meine Gedanken zu manchem, wenn er nicht dabei wäre.Da bin ich mir ziemlich sicher.

    Auch das er nach einem halben Jahr noch nicht alle Baustellen selbst erkennt , ist mir ziemlich klar.

    Und ebenfalls wird einen Tag später ein Richter zu einer Art "Anhörung" , diesmal im positiven Sinne, vorbeischauen.Das passiert wohl jedes halbe Jahr , es wird über Fortschritte und Allgemeines gesprochen.Stellungnahmen des Pflegepersonals, Psychologe, Therapeuten und Sozialarbeiter eingeholt.

    Die nächste Lockerungsstufe darf gegebenenfalls dann gleich beantragt werden.

    Begleiteter Ausgang mit zwei männlichen Pflegern.

    Nur kurzzeitig und nur ums Eck zum Einkaufen, aber endlich mal keine Mauern mehr sehen.


    An Weihnachten hätte ich mir etwas mehr gemeinsame Stationsarbeit gewünscht.

    Aber vielleicht seh auch ich das nur so ,als Frau und Mama.

    Zu Advent wurde etwas geschmückt und es gab auch an Heilig Abend einen Weihnachtsbaum und ein gemeinsames Kaffeetrinken.Aber das war's dann auch.

    Was würde ich mir erwarten/ wünschen: Einfach ein bisschen mehr Heimeligkeit.

    Kaum jemand hat wohl eine kleine Überraschung zum Fest bekommen.

    ( das unsere total in die Hose gegangen ist und auch noch zu einem negativen Eintrag geführt hat , steht auf einem anderen Blatt) :noo:

    Auch wenn das die " harten" Jungs sind, im Knast war da wohl nach hörensagen ein bisschen mehr Freude dabei.

    Das spiegelt aber so ziemlich alles dort wider.

    Besuch bekommen die meisten.Aber Hilfe aus ihrer Situation oder zumindest das Interesse zum ändern der Situation von ihren Familien die wenigsten.

    Viele liegen, wenn die vormittags Therapien beendet sind, den ganzen Tag im Bett und sind zu nichts zu bewegen.Zum spielen findet man kaum mal jemand.

    Gemeinsames kochen auch eher weniger, gemeinsames Essen dann schon.


    Unser Sohn hat anscheinend seine Berufung fürs kochen und backen entdeckt.Das durften wir jetzt schon mehrfach beim Besuch testen.


    An Sylvester war ( Einschluss gibt es ja nicht) entgegen dem täglichen Ritual nicht um 22 Uhr Ruhezeit sondern tatsächlich erst um 1 Uhr nachts.

    Feuerwerk aus der angrenzenden Stadt durfte allerdings nur aus den Fenstern angeguckt werden,

    Zuguterletzt, auch entgegen der Tradition, nur 1x nach Mitternacht pusten.

    Die vergangenen Jahre durften die Jungs wohl 2x ran.Gefunden wurde jedenfalls nix.


    Ach ja, das schöne Einzelzimmer ist auch passe'.

    Jetzt residiert er , wie alle anderen auch im Zweibettzimmer.

    Mit einem Kollegen dessen Vorlieben nicht gegensätzlicher sein könnten.

    Aber man hat sich nach einigen Querelen einigermaßen geeinigt.

    Wenn das schnarchen meines Sohns zu doll wird ( dank der zerstörten Schleimhäute durchs Koks, lässt sich das nicht mehr ändern), verlässt der Zimmergenosse den Raum ohne ihn 7x zu wecken und die nachmittägliche SHOPPING QUEEN wird zusammen geschaut.

    "Mensch doch nicht wegen der Klamotten, Mama, wegen der Weiber...."sds


    LG von Loona

  • Hallo loona ,

    Vielen Dank für deinen tollen und ausführlichen Bericht .Ich finde es immer toll dass du alles so toll ausführlich schilderst .danke dafür ?.

    Normalerweise finden auch Gespräche ohne den „Klienten „ statt um sich von Angehörigen die Umstände bzw evtl Ursachen für die Sucht zu finden und die man gemeinsam daran arbeiten kann . Allerdings muss dafür der Klient zustimmen und die Ärzte auch in dem Fall von der Schweigepflicht entbinden.Ich persönlich halte auch sowas ggf. per extrem wichtig da ja dich danach weiter daran gearbeitet werden muss damit man nicht rückfällig wird

  • Hallo LOONA, vielen Dank für den Erfahrungsbericht und alles Gute für 2020.


    Etwas ist mir an deinem Text aufgefallen.

    Es gibt sicher einiges was er nicht unbedingt hören muss.Schon um ihn nicht mental runterzuziehen.

    ich würde eventuell mehr preisgeben, wie auch meine Gedanken zu manchem, wenn er nicht dabei wäre.Da bin ich mir ziemlich sicher.

    Du würdest also eher einer "fremden" Psychologin mehr von deinen "Inneren" Gedanken preisgeben als deinem eigenen Sohn?

    Ich bin ja auch eher skeptisch, was diese "Nervenklemptner" angeht.

    Eines bleibt aber Fakt, Vertrauen geht nur mit der Wahrheit. Alles Andere führt in eine Sackgasse.


    VG Bikerboy

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