Vollzugsplan Und Bewährungswiederruf

  • Hallo,


    Vielleicht könnt ihr mir kurz weiterhelfen. Mein Mann hat mir heute seinen Vollzugsplan geschickt.

    Da stehen insgesamt 4 Strafen drinnen,

    3 sind von dem Bewährungswiederruf (er kam damals auf Halbstrafe raus)

    Und eine neue Verurteilung.


    So, nun hat mein Mann darauf gehofft, das er schon bei den alten Strafen irgendwie auf halb oder 2/3 wieder raus kann.

    Im Vollzugsplan steht es natürlich nicht so, sondern das er die ersten 3Strafen absitzen muss, und erst bei der neuen kann er sich Hoffnungen auf halb oder 2/3 machen.



    Würde da eine Strafzusammenfassung oder Gesamtstrafenbildung was bringen? Aber das geht doch gar nicht, oder?


    Ich hab heute schon einen Anwalt kontaktiert, da mein Mann alle Möglichkeiten irgendwie ausschöpfen möchte, aber ich wollte euch schonmal fragen, ob ihr mir da mehr sagen könnt.


    Viele Grüße

  • Hallo,


    sofern ich mich nicht täusche:


    Gesamtstrafenbildung ist nur möglich, wenn die Taten auch hätten zusammen verhandelt und abgeurteilt werden können. Sind die Straftaten jeweils nach einem Urteil begangen worden, so sind sie nicht mehr Gesamtstrafenfähig.


    Halbstrafe wird er nicht mehr bekommen, denn die Möglichkeit gibt es nur bei der ersten Verurteilung. Ab der zweiten ist dieser Zug abgefahren.

    Soweit ich mich erinnere an den Unterricht werden zuerst die Bewährungswiederrufe bis zum 2/3 Termin vollstreckt und dann die Freiheitsstrafe. Wenn bei dieser dann zum 2/3 Termin auf Bewährung entlassen wird, so kommt er raus.

    Aber Lasker kann dir das bestimmt genauer erklären als ich :)

  • Hallo Mamacita,

    Du hast das wohl schon richtig verstanden

    Die Vollstreckungsreihenfolge ist in § 43 Strafvollstreckungsordnung geregelt. Danach werden zuerst Freiheitsstrafen von nicht mehr als zwei Monaten vollstreckt, danach Strafreste, danach Freiheitsstrafen, wobei hier der Grundsatz kurz vor lang gilt und als letztes Ersatzfreiheitsstrafen. Es ist also so, dass bei deinem Mann zunächst die Strafreste vollstreckt werden und erst dann die neue Freiheitsstrafe.

    Grundsätzlich werden die Strafreste auch vollständig vollstreckt. Eine Unterbrechung, etwa zum 2/3-Zeitpunkt, ist gesetzlich nicht vorgesehen ( § 454 Abs. 2 Satz 2 StPO). Die Vollstreckungsbehörde kann von dieser Reihenfolge abweichen, wenn wichtige Gründe vorliegen ( § 43 Abs. 2 S.2 Strafvollstreckungsordnung). Dies kommt insbesondere bei Strafresten in Betracht. Ob ihr das erreichen könnt, solltet ihr mit dem Anwalt besprechen. Wird die Reihenfolge nicht geändert, werden die Reste zunächst vollständig vollstreckt.

    Halbstrafe in der neuen Verurteilung ist - nur auf Antrag - theoretisch möglich, in der Praxis aber extrem selten, da sich die besonderen Umstände im Sinne des § 57 Abs. 2 Satz 2 StGB bei einem Bewährungsversager kaum begründen lassen.

    Die nachträgliche Gesamtstrafenbildung ist in § 55 StGB geregelt. Diese Vorschrift soll Nachteile ausgleichen, die dadurch entstehen können, wenn verschiedene Straftaten nicht in einem Verfahren, sondern in mehreren Verfahren verhandelt werden, obwohl sie theoretisch in einer Verhandlung abgeurteilt hätten werden können. Voraussetzung ist aber immer, dass sie theoretisch hätten gemeinsam verhandelt werden können. Maßgeblicher Zeitpunkt ist dabei die letzte Tatsacheninstanz ( die Revision ist anders als die Berufung keine Tatsacheninstanz) in der ein Urteil erging. Ist bis zu diesem Zeitpunkt die neue Tat erfolgt, kommt eine Gesamtstrafenbildung in Betracht. LG Lasker

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