U Haft wegen fehlendem Ausweis

  • Hallo, ich hoffe hier wie so viele auf Antworten.

    Ich bin mit meinem Freund seit 9 Monaten zusammen. Kennen uns schon länger durch seine Mutter. Wir verkehren alle in der gleichen Musikzsene. Er kommt aus Berlin ich aus Dresden. Er ist 35 Jahre jung.

    Wegen der Corona Krise ist er vorübergehend bei mir eingezogen da Pendeln nicht mehr möglich war.

    In Berlin lebte er nach der Trennung von der Ex bei einem Kumpel.

    Gearbeitet hatte er bis dato in einer Bar.

    Gelebt hat er bei mir von Bargeld was er bei sich trug.

    Ich selbst ging bis zur Krise in der Gastronomie arbeiten.

    Wollten nach der Krise zusammen ne größere Wohnung suchen.

    Letzt Woche Donnerstag stand plötzlich die Polizei bei mir im Flur, haben ihn mitgenommen da er in Berlin mit Haftbefehl gesucht wird. Wegen fehlenden Ausweis wurde er wegen Fluchtgefahr mitgenommen.

    Habe das Wochenende nur erfahren das er in der JVA Dresden einsitzt.

    Die JVA sagte mir am Montag dann den Namen des Anwalts.

    Den rief ich an und erfuhr das er wohl 2019 in Berlin im Knast war für 4 Wochen u dann auf Bewährung.

    Er hat wohl im Internet was auf Rechnung bestellt u dies nicht bezahlt, auf Briefe u Vorladungen nicht reagiert.

    Dafür ging es dann in den Bau, quasi wegen ursprünglich 500€. Er wurde also wegen Betrugs inhaftiert.

    Naja nach Entlassung hat er wohl die Bewährungsauflagen nicht eingehalten u sich nicht um einen Ausweis gekümmert. Daraufhin ist es zur Fahndung gekommen.

    Durch Telefonate mit der Mutter erfuhr ich das sich die unbezahlten Rechnung bei ihr zu Hause stabeln...

    Hab noch erfahren das er bei unserem

    kennenlernen quasi Obdachlos war u nix besitzt als was er auf der Haut trägt.

    Er hat sich wohl bei Freunden immer als Gönner ausgegeben u bei Feiern u Co das Geld zum Fenster rausgehauen.

    Seine Mutter dachte das das mit der Bewährungszeit u so beendet gewesen sei.

    Ja nun ist er angeklagt wegen 2 fachen Betrug, irgendwas muss da wohl noch offen sein mit ner anderen Rechnung.

    Wegen Nichteinhaltung der Bewährungszeit. Und weil er seiner Meldepflicht nicht nachgegangen ist.

    Ich wusste rein gar nix... hab nur gemerkt das er irgendwie immer dünner wurde.

    Ich hab gedacht den besten Mann der Welt gefunden zu haben, er kaufte ein, kochte, putzte, machte Hausaufgaben mit den Kindern u war sehr kuschelbedürftig...


    Besuchserlaubnis habe ich beantragt, Briefe mit Briefmarken geschickt.

    Der Anwalt ist bisher immer nur kurz angebunden gewesen.

    Hat nur geantwortet was das Höchste Strafmaß sein könnte.


    Meine Frage hier ist nun. Kann ich ihn irgendwie bis zur Verhandlung aus der U- Haft rausholen indem ich ihn offiziell in meiner Wohnung aufnehme?

    Er sitzt ja quasi nur da drinnen wegen dieser Fluchtgefahr weil er nirgendwo gemeldet war.

    Und wenn ja, wie soll ich da genau vorgehen??


    Ach Menno wie kann man sich mit so nem dummen Scheiß nur so tief reinrennen. Schulden hat doch heutzutage was jeder...ne Insolvenz wäre doch ne Möglichkeit gewesen...


    Mich nervt es das man als Angehöriger sich schon selbst fühlt wie der Beschuldigte, nix zu hören ist Folter pur!!

  • Hat nur geantwortet was das Höchste Strafmaß sein könnte.

    Damit meinen Anwälte eigentlich immer; "rechnen Sie mit dem schlimmsten".

    Würden die sagten: "ach alles wird gut, im Höchstfall 4 Monate" und es kommt dann doch dicker als gedacht, ist der Anwalt ein Arsch....


    Von dem was Du hier geschrieben hast, kann ich mir nur schwer vorstellen, das man wegen einem fehlenden Ausweis gleich in Untersuchungshaft kommt. Da steckt mit Sicherheit viel mehr dahinter, als Du bis jetzt weißt.

    § 112 Abs. 1 StPO besagt, dass die Untersuchungshaft gegen den Beschuldigten angeordnet werden darf, wenn er der Tat dringend verdächtig ist und ein Haftgrund besteht.

    In der Regel müssen 3 Bedingungen gegeben sein. Es muss auf der einen Seite ein „dringender Tatverdacht“ vorliegen. Auf der anderen Seite muss ein sogenannter „Haftgrund“ gegeben sein und zudem die Verhältnismäßigkeit gewahrt sein.

    Der häufigste Haftgrund ist die Annahme von Fluchtgefahr. Hiergegen kann man sich als Beschuldigter durchaus wehren, da die Praxis zeigt, dass die Staatsanwaltschaften und Gerichte teilweise zu vorschnell die Fluchtgefahr bejahen.

    Dagegen vorgehen kann man mit einer Haftprüfung:

    Solange der Beschuldigte in Untersuchungshaft ist, kann er jederzeit eine Haftprüfung gemäß § 117 StPO beantragen. Nach einer mündlichen Verhandlung entscheidet das Gericht dann darüber, ob die Untersuchungshaft fortgesetzt werden soll oder nicht. Dauert die Untersuchungshaft länger als sechs Monate an, führt das zuständige Oberlandesgericht auch ohne vorherigen Antrag eine Haftprüfung durch.


    Eine Haftprüfung geht schnell – die mündliche Verhandlung muss in den ersten zwei Wochen nach Eingang des Antrags durchgeführt werden. Die Entscheidung über die Fortdauer der Haft soll am Schluss der mündlichen Verhandlung verkündet werden, muss aber in jedem Fall binnen einer Woche erlassen werden.


    Der Antrag auf Haftprüfung kann mehrmals gestellt werden. Einen Anspruch auf die Durchführung einer erneuten mündlichen Verhandlung hat der Beschuldigte aber nur, wenn die Untersuchungshaft länger als drei Monate andauert und seit der letzten mündlichen Verhandlung mindestens zwei Monate vergangen sind.


    oder mit einer Haftbeschwerde:

    Als Rechtsbehelf gegen die Anordnung der Untersuchungshaft steht dem Beschuldigten auch die Haftbeschwerde gemäß § 304 StPO zur Verfügung. Hierdurch wird erreicht, dass das nächsthöhere Gericht den Sachverhalt überprüft. Die Haftbeschwerde kann jederzeit eingelegt werden, allerdings nicht, wenn bereits ein Antrag auf Haftprüfung gestellt wurde.


    Anders als im Rahmen der Haftprüfung hat der Beschuldigte bei einer Haftbeschwerde keinen Anspruch auf eine mündliche Verhandlung. Eine solche kann, muss aber nicht durchgeführt werden.

    Hat die Haftbeschwerde keinen Erfolg, kann gegen diese Entscheidung eine weitere Beschwerde gemäß § 310 StPO eingelegt werden.


    Um die Erfolgschancen von Haftprüfung und Haftbeschwerde zu bewerten, muss Euer Rechtsanwalt Einsicht in die Akte beantragen und dann entscheiden.

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