Beiträge von _Bea

    Hallo zusammen,


    mein Schwager muss wahrscheinlich, sollte kein Aufschub gewährt werden, am 18.1. in Attendorn erscheinen.

    Er ish für den offenen Vollzug geladen.

    Kann mir jemand sagen, wie es dort aktuell coronabedingt aussieht?

    Dass er zunächst in Quarantäne muss ist klar, aber wie sieht es aus mit besuchen etc? Mit schnellen Lockerungen und Ausgängen ist ja leider aktuell eher nicht zu rechnen.


    Liebe Grüße

    Hi Nikita,


    nur kurz zum zeitlichen Rahmen:

    Uns wurde zunächst innerhalb von etwa 4 Wochen eine vorläufige Begnadigung gewährt. Bis diese Entscheidung aber vollends feststand, ist ein halbes Jahr vergangen.

    Bei uns war es so, dass dementsprechend auch vorläufig die Vollstreckung der Strafe ausgesetzt wurde (er musste dementsprechend keine Haft antreten), mit dem Hinweis des sofortigen Widerrufs, sollten neue Straftaten begangen werden.

    Erst nach einem halben Jahr wurde mein Mann dann begnadigt.

    Meinem Mann war es auch aus der U-Haft heraus möglich, dass er mithilfe des Sozialdienstes an die Adressen der Therapieeinrichtungen kam, an die er dann schreiben und sich ggf. telefonisch wenden konnte.

    Ich habe auch zuerst viele Stellen abtelefoniert, mir wurde aber auch eigentlich von jeder Stelle aus verdeutlicht, dass sie nicht die Anfragen von Angehörigen wollen, sondern von den Bettoffenen selbst, Stichwort Therapiemotivation.

    Liebe Daisy,


    auf alles und jeden zu schimpfen, halte ich persönlich für nicht angebracht. Es gibt auch immer noch die Möglichkeit, sich freiwillig in Therapie zu begeben und genügend ambulante Angebote für Suchtkranke Menschen.

    vielleicht hat auch bislang keiner geholfen, weil dein Sohn es selbst nicht wollte. Der erste Schritt zur „Bekämpfung“ einer psychischen Erkrankung, zu denen Sucht zählt, ist nunmal die Einsicht und der eigene Wille, etwas zu ändern. Wenn dieser bislang nicht vorhanden war, hätte dein Sohn auch 50 mal eingewiesen werden können und es hätte langfristig nur wenig gebracht.

    Dann zur Höhe der Strafe: stimmt, er hat niemanden umgebracht. Dann stünden nämlich nicht 3 Jahre im Raum, sondern mindestens 15.

    Aber es ist auch nicht so, als sei er unschuldig verurteilt worden. Ich kenne nicht seine Straftaten, aber auch durch Betrugsdelikte wird anderen Menschen massiv geschadet, womöglich sogar deren Existenz gefährdet. Vielleicht solltest du auch da die Schuld eher bei deinem Sohn suchen statt bei der Justiz.

    Dass er „nur“ wegen Betrug verurteilt wurde und die Sucht als Motiv nicht aufgetaucht ist, das ist ja, so wie du geschrieben hast, auf Anraten des Anwalts geschehen und nicht weil der Richter dies mal eben so ignoriert hat. Woher hätte die Justiz dies also wissen sollen?

    Vielleicht hätte er ja sogar die Möglichkeit bekommen, seine Strafe von vornherein im Rahmen einer Therapie zu bewältigen.

    Hallo Chantal,


    bei uns hat die Haftprüfung damals keine 15 Minuten gedauert. Der Anwalt meines Mannes hat das Anliegen vorgetragen, und auch warum mein Mann entlassen werden soll. Der Richter hat dann nochmal die aktenlage geprüft und auch die Entscheidung direkt verkündet.

    Bei uns war der Fall, dass mein Mann direkt aus der U-Haft in die Therapie entlassen wurde. Da dort schon ein Aufnahmetermin bekannt war, wurde mein Mann nicht direkt am Tag der Haftprüfung entlassen, sondern etwa einen Monat später zu Therapiebeginn. Auch dies wurde direkt bei der Prüfung kommuniziert.


    Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen

    Hallo,


    erstmal drücke ich dir die Daumen, dass alles reibungslos abläuft und dass du dich gut in Weiterstadt einfindest.

    Zu der JVA an sich kann ich dir nichts sagen, aber es gibt die Möglichkeit, unter gewissen Voraussetzungen wie etwa einer Arbeitsstelle draußen und einem stabilen sozialen Umfeld in den offenen Vollzug zu kommen (abhängig vom Delikt, weshalb du einsitzt) oder dass deine Strafe auf 2/3 der Haftzeit verkürzt wird und der Strafrest zur Bewährung ausgesetzt wird.


    Solltest du wegen eines Drogendeliktes inhaftiert werden, oder wegen einer Tat, die in Zusammenhang mit einer Abhängigkeit besteht, gibt es außerdem die Möglichkeit, aus der Haft heraus eine Therapie nach Paragraph 35 BtmG zu absolvieren.

    Hier können bis zu 2 Jahre Haftzeit angerechnet werden.


    Viele Grüße

    Katzac das ist ja von JVA zu JVA unterschiedlich.

    Mein Mann saß auch früher in Köln und in U-Haft war das telefonieren absolut nicht erlaubt.

    Ich konnte ihn dennoch über die Sozialarbeiterin (ich weiß leider den Namen nicht mehr) erreichen, wenn es ein Notfall war.

    Ein Passwort hat es nie gegeben.


    Nala22 icu drücke dir die Daumen dass du schnell was hörst! In Köln sind die Beamten aber oft sehr freundlich, wenn man es ebenso zu ihnen ist, sei es telefonisch oder vor Ort beim Besuch.

    Bei uns wurde auch schon einmal ein Auge zugedrückt, sodass der 30 minütige Besuch dann 40 Minuten gedauert hat etc.

    Hi Antinady,


    mein Mann wurde begnadigt. Grund dafür war, dass alles andere unverhältnismäßig war. Kurz der Hintergrund: er ist aus der U-Haft nach 84 Tagen direkt in die Therapie entlassen worden, hat sich dort um Wohnung, Schulden, Job etc gekümmert und hatte am Ende seiner Therapiezeit seine Verhandlung. Das Urteil ergab 2 Jahre und 3 Monate. 2 Jahre konnten zurückgestellt werden wegen der Therapie nach Paragraph 35, 84 Tage U-Haft wurden angerechnet.

    Sprich er hätte nochmal für 6 Tage reingemusst. Wäre natürlich nicht schlimm gewesen, allerdings stand mit einer erneuten „Haftstrafe“ der Widerruf einer 4-jährigen Bewährung im Raum.

    Außerdem gab es Kommunikationsfehler, weshalb ihm zuerst seine Therapie nicht angerechnet wurde (der übliche Weg ist ja, dass man erstmal das Urteil abwartet und dann in Therapie geht).


    Wir waren dann persönlich bei der Gnadenstelle, haben seinen kompletten Werdegang innerhalb des Jahres nach seiner Inhaftierung vorgetragen und somit auch die zuständigen Personen davon überzeugen können, dass 1. eine erneute Therapie wenig Sinn macht und 2. der Antritt einer „Haftstrafe“ und der damit einhergehende Bewährungswiderruf vollkommen unverhältnismäßig sind.


    Somit wurden aufgrund seiner guten Führung die kompletten 2 Jahre 3 Monate begnadigt und der Bewährungswiderruf war damit auch vom Tisch.


    Du siehst also, es gibt schon Chancen, allerdings muss es auch einen triftigen Grund dafür geben. Wie schon gesagt, bei uns wären es 4 weitere Jahre Haft für 6 Tage einrücken gewesen.


    Ich wünsche dir/ euch alles Gute!

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das so einfach geht.

    Denn entscheidend ist ja, egal ob für eine Therapie nach 64 oder 35, die Motivation.

    Und wie möchte dein Partner denn argumentieren, wenn er eine Therapie abbricht, nur um in eine kürzere zu kommen?


    Zumal dann ja auch wieder alles neu beantragt werden muss. Bricht er die Therapie ab, so muss er sich wieder stellen, eine neue Kostenzusage beantragen, einen Therapieplatz finden, Gericht und Sta überzeugen etc.

    Also es wird nicht so sein dass er in Merzig abbricht und dann direkt eine andere Therapie beginnen kann.

    Des Weiteren wird es ja auch einen Grund haben, dass der Richter bei einer solch kurzen Strafe sich für einen 64er statt 35er entscheidet.

    Dein Partner sollte diese Chance, und damit auch den Beginn für ein neues, Drogenfreies Leben nutzen, statt zu schauen, wie er am schnellsten wieder in Freiheit ist. Denn so wird es sicherlich auch auf diverse Behörden wirken.

    Also ich weiß von meinem Mann, der einige Zeit in Attendorn verbracht hat, dass er über die JVA ein Abo einer oder sogar mehrerer Tageszeitungen abschließen konnte.

    Allerdings war das auch Strafhaft.

    Was mir noch einfällt: als mein Mann in seiner Therapieeinrichtung nach Paragraph 35 war, habe ich auch wochenlang geschimpft und mich geärgert. Es waren oft so Kleinigkeiten wie etwa „rote Punkte“ weil er auf den Rasen statt auf den Gehweg getreten ist etc.

    Oder weil sein Ausgang immer wieder verzögert wurde, weil die Therapeutin spontan im Urlaub war.


    Im Nachhinein kann ich über viele Aufregungen unsererseits nur lachen. Letztendlich ist, wie Ratatoullie schon sagt, eine Therapie kein Zuckerschlecken und kein Kuraufenthalt. Manchmal bringt es einfach mehr, auf die Fähigkeiten der Therapeuten und der Klinikleitung zu vertrauen und darauf, dass alles auch irgendwo seinen Sinn hat.

    Sonst ärgert man sich nur unnötig und macht sich die Zeit schwerer als sie eh schon ist.

    Man muss sich nur vor Augen halten, dass alles besser als Gefängnis ist.

    Hallo Rebecca,


    versuche das Ganze doch einmal aus Sicht der Forensik zu betrachten.

    Da ist zum Einen die Unterbringung in der „Gummizelle“: für jemanden, der ein suizidales Verhalten zeigt oder in einen kalten Entzug kommt, kann diese Unterbringung in einem gesicherten, 24/7 überwachten Raum lebensrettend sein. Sollten des Weiteren Anzeichen einer Traumatisierung sichtbar sein, so ist das Personal verpflichtet, einzugreifen.

    Auch verstehe ich nicht den von dir garantierten Zusammenhang zwischen einer PTBS/ einer traumatischen Störung und der Unterbringung in einer Weichzelle.

    Die für eine PTBS typischen Flashbacks werden meist durch ähnliche Situationen, Gefühle etc. ausgelöst. Hierzu muss nicht die Unterbringung in einer Weichzelle zählen. Also ist deiner Aussage an dieser Stelle doch sehr pauschalisierend.



    Zu der Unterbringung auf Station 1:

    Vielleicht gilt es hier erstmal herauszufinden, ob ein Klient überhaupt therapiewillig ist. Du musst sehen, genau wie bei der Alternative nach Paragraph 35 „Therapie statt Strafe“ sehen viele in eigner Therapie die Möglichkeit, einer langen Haftzeit zu entgehen. Dementsprechend kann ich mir vorstellen, dass nun erst einmal geprüft wird, wie es um die Morivation steht. Auch dieses „aus der Reserve locken“ mag vielleicht in deinen Augen nicht die richtige Methode sein, ist aber für Therapeuten unter Umständen hilfreich, um zu sehen, wie erst es um die psychische Erkrankung/ Sucht bestellt ist oder ob der Klient übertreibt oder simuliert, um sich Vorteile zu verschaffen.


    Natürlich ist ein solches Misstrauen nicht schön, aber vielleicht geht es auch bei deinem Partner bald auf die richtige Station und somit bergauf.

    So wie Open Door und auch der Gesetzestext es beschreibt, handelt es sich hier um eine allgemeine Vorschrift.

    Sowohl dein Exfreund als auch die Anstaltsleitung halten sich nur an diese.


    Eure Situation ist objektiv einfach schwer zu bewerten. Natürlich kann man sagen, dass alles lange vorbei ist, aber das ist ja keine Garantie dafür, dass alles so läuft als würden sich dein Exfreund und dein Freund nicht kennen.

    Schade, dass Ämter so reagieren. Aber dein Sohn sollte sich nicht entmutigen lassen und vielleicht auch dort einen Anwalt nehmen, der für ihn die direkte Kommunikation mit den entsprechenden Stellen übernimmt. Das ist vielleicht angenehmer.

    Mein Mann und ich haben bei diversen Ämtern, Staatsanwaltschaften etc. gemerkt, dass es sich lohnt, es immer wieder zu probieren. Denn was Sachbearbeiter oder Rechtspfleger A als unmöglich abstempelt, geht Bei Sachbearbeiter oder Rechtspfleger B völlig problemlos.


    Ich hoffe sehr, dass sich alles zu eurem Wohl klären wird.