Beiträge von Ratatouille

    Wie wäre ein kurzes Schreiben, in der du einfach anbietest, für Fragen bzgl des sozialen Umfelds bei Bedarf jederzeit zur Verfügung zu stehen?

    Mit Mail und Telefonnummer.


    Inhaltlich würde ich auch nicht mehr schreiben. Da bin ich ganz bei Maximus. Wenn du jemanden liebst, bist du betriebsblind, nicht objektiv. Sollst du gar nicht sein. Dass es dich draußen gibt, hat der Partner schon geschrieben. Reicht.

    Ratatouille mit daran vorbeilaufen meine ich, außen entlang gehen, Moabit hat seine Mauern direkt an der Hauptstraße, da fahren Busse und auf der anderen Seite ist direkt das Landgericht, unter dessen Katakomben die Gefangenen zu ihrem Prozess in den Gerichtsaal gebracht werden.

    Lovegoeson, das habe ich schon verstanden. Ich bin oft an der JVA Moabit vorbeigelaufen, als ich noch in Berlin gewohnt habe.

    In Herford ist das auch nicht anders. Die JVA (die übrigens tatsächlich eine JVA ist - auch für Jugendliche, vielleicht ist das je nach Bundesländern anders?) ist mitten in der Stadt. Ich wohne ja Nähe Bielefeld und da lebt man sehr normal mit dem Vollzug. Da gibt es neben dem geschlossenen auch einen riesigen offenen Vollzug, genauer: Da sind gefühlt alle paar Kilometer übersichtliche Außenstellen und das nimmt dem Thema Strafvollzug das Geheimnisvolle, Gruselige, Fremde.


    Ich hab jetzt nur die ersten 15 Minuten geschaut und muss sagen, dass die Eingangssequenz mit dem Gerufe schon dem entspricht, was ich meinte.

    Zum Rest, klar, das Machtgehabe und Geprotze und der Stress sind bei den Jugendlichen größer, allerdings ist auch der Betreuungsschlüssel besser und die Freizeitmöglichkeiten auch.


    Du schreibst auch:


    "Man sollte sich als Nichtbetroffener immer wieder bewusst werden, dass die Menschen, die einsitzen auch nur ein Ergebnis, des Konstrukt, welches wir Gesellschaft nennen. Viele kommen raus, viele fahren ein. Niemand draußen sieht man das an und wenn doch, müssten wir alle jedes Mal "um unser Leben" rennen."


    Genau so!!


    Ich suche noch die Reportage, die das zum Thema macht. Als ich einem Kollegen sagte, dass die Häftlinge zu unserer Gesellschaft gehören und dass die morgen wieder unsere Nachbarn sein können, kriegte ich die Antwort "Wo wohnst du denn?" Äh. :noo: :dong: :dong: :dong: Ich erhole mich noch von diesem Weltbild.

    Die Menschen möchten ihre Mitmenschen sortieren in gut und böse, dabei sind wir alle eine Mischung davon, die meisten "Bösen" waren selbst einmal Opfer von anderen "Bösen" und außerdem ist jeder in der Lage, sich zu ändern. Man stellt Häftlinge in den Medien am liebsten als total anders als die Leute draußen dar, dann stimmt das Weltbild und man kann das Ganze schön weit von sich fernhalten. Noch ein bisschen Gruselmusik und die Sache wird zur Unterhaltung. Vielleicht gibt es so wenige Dokus um Opfer und wie die damit umgehen, weil das nicht so aufregend ist. Auch die werden oft stigmatisiert, wenn sie durch die Tat verändert sind.


    In der Doku scheint es nur um die Ausbildung der Beamten zu gehen, mein Eindruck. Ist doch schön, wenn die mit einem gewissen Idealismus von Resozialisierung anfangen. Hauptsache sie werden nicht zynisch, wenn sie erkennen, dass in ihrem Job dafür kaum Zeit ist.


    Erzählt gern weiter von euren Eindrücken, vielleicht gucke ich ja doch noch weiter...

    Also ich bin ja schon gelegentlich in der JVA, ok Jugendvollzug, aber Sicherheitsstörungen sind alles andere als die Ausnahme, sondern Alltag. Nicht täglich auf jeder Abteilung, aber täglich. Kann natürlich sein, dass es im E-Vollzug anders ist. Das kann sicher noch spektakulärer wirken als eine Haftraumstürmung, da nicht räumlich einzugrenzen und ja, die Bediensteten müssen damit immer rechnen. Sieht man ihnen aber nicht an, finde ich.


    Was das beklemmende Gefühl angeht. Kommt drauf an. Nach Feierabend über den Hof laufen und die Häftlinge wissen nicht, wer da geht, da man z.B. nicht genau einer Gruppe zuzuordnen: Du hörst das Gerufe hier und da aus den Fenstern, einer singt etwas irre, verstellt die Stimme, andere versuchen auf sich aufmerksam zu machen, weil einfach nichts los ist und die Besucher die einzige Ablenkung. Oder tagsüber, wenn die Häftlinge Pause haben und an der Absperrung kleben, um zu gucken. Das kann man alles erklären, ehrlich gesagt wenn du durch ein Dorf am Ende der Welt fährst, gucken die Leute auch, wer da kommt. Ein Gefängnis ist schlimmer als ein Dorf, da wird geguckt und wenn eine junge Frau im Filmteam ist, ist das sicher noch krasser.


    Ansonsten gebe ich dir recht. Die Musik in Knastdokus und die Art, von der Tat auf die Gewaltbereitschaft der Jungs im Knast zu schließen, wo die SothA eher die ruhigste Abteilung ist. Von "harten Jungs" und ähnlichem zu sprechen. Medien nehmen sich wenig Zeit, um mal auf die Hinteergründe zu schauen. Trotzdem kann man immer wieder froh sein, wenn sie davon berichten.

    Ich kenne mich mit den inneren Abläufen nicht so aus, kann mir aber vorstellen, dass dein Ruf dir voraus eilt, wenn du rein kommst und in der Akte schon eine lange Geschichte von versuchten Verzögerungen beschrieben wird.

    Liegen nicht immer schwerwiegende Gründe vor, die gegen eine Inhaftierung sprechen? Ich fürchtet, die werden auch bei dir nicht weniger

    Hast du diese Information direkt von der Sozialarbeiterin oder von deinem Freund?
    Weil - du hast mal geschrieben, dass dein Freund nicht gut Deutsch spricht, vielleicht hat er was falsch verstanden und es war einfach ein blöd verlaufenes Gespräch. Wenn nicht, siehe Chris :biegen:


    Nimmt er bis jetzt freiwillig an nichts teil keine Freizeitmaßnahme, keine Gesprächsangebote, kein Deutschkurs? Es gibt ja noch viel mehr als nur Therapie, um nicht nur blöd rumzuhocken.

    Wir wollen mal dem sicheren Ergebnis nicht vorgreifen, liebe Kunterbunt ;-)...aber klar, ein Sieg wird das nicht.

    Die Präsenz in den Medien hat ja was damit zu tun, wie hoch die Arbeit vermutlich wert geschätzt wird. Ein Influencer überlegt sich genau, wofür er Werbung macht.


    Beim Deutschen Engagementpreis sind ja nur die nominiert, die schon einen anderen Preis gewonnen haben und die von den jeweiligen Ausrichtern dann vorgeschlagen wurden. Die anderen Preise waren wahrscheinlich keine Voting-Preise, da wurde nach Inhalt geschaut.

    Klar, wenn du einen Stadt-Bürger-Preis gewinnst, tut die Stadt alles, damit alle in der Stadt den Preisträger unterstützen.


    Und du hast natürlich Recht. Wenn Häftlinge ihre Geschwister oder Eltern fragen, ob die für sie (unsere Zeitung) stimmen können, wenn das Lokalradio berichtet und es geht nie drum,.., was man FÜR sie tut, sondern was sie selber tun, das ist sehr viel wert und gibt ein gutes Gefühl. Gut möglich, dass die Jungs erst durch die Abstimmung registriert haben, dass sie ja schon wirklich zweimal einen anderen Preis gewonnen haben, Corona lässt grüßen.


    Über 1000 Stimmen müssten es schon werden.

    Ich glaube, ich geh dann mal gucken, was es noch so für Kandidaten gibt. Mir fällt gerade auf, dass Chris eigentlich auch so ein Kandidat wäre.

    Er müsste nur vorher einen anderen Preis gewinnen :denken3: .

    Aber dann... :bravo:

    Es gibt nicht viele Knastzeitungen im Jugendvollzug. Klar, die Haftzeiten sind relativ kurz und vermutlich gibt es im Vergleich auch mehr Freizeitangebote. Vollzeit-Redakteure gibt es da sowieso nicht. Naja, der Erziehungsgedanke tut sein übriges, keine Ahnung.


    In Herford gibt es eine Zeitung. Die Redaktion besteht aus Oberstufenschülern und ungefähr gleichaltrigen Häftlingen. Die von draußen sorgen dafür, dass die von drinnen über andere Themen schreiben wollen als "nur über das hier drinnen, so Knast-Angelegenheiten". Jedenfalls hat mir das mal ein Häftling so erklärt. Deswegen ist es auch (!) eine Zeitung für Jugendliche mit neuen Filmen und Rezepten, die gerade auf tiktok in sind usw. Die Schüler tragen die Zeitung und das, was sie in der JVA erleben und hören, in ihr Umfeld.

    Nur ist ihr Umfeld nicht in Herford, sondern in Bielefeld. Deswegen interessieren sich die Medien da kaum dafür. Denke ich mal.

    Ich hab ja schon geschrieben, dass bis morgen (20.10.) noch online für den Deutschen Engagement-Preis abgestimmt werden kann und dass Popshop da auch im Boot ist. Nun haben viele Häftlinge abgestimmt, indem sie unterschrieben haben (das geht auch - "nur in leichter Sprache", immerhin,es geht). Aber natürlich können die keine große Kampagne schalten, nicht einmal auf Instagram posten geht. :knast:


    Heute bin ich ein bisschen sauer, weil ich von meiner Tochter (die mehr in den sozialen Medien mitkriegt als ich) erfahren habe, dass eine andere nominierte Initiative einfach mal einen Influencer mit sehr vielen Abonnenten mit ins Boot genommen hat.


    Nein, eigentlich bin ich total sauer. Das Leben ist nicht gerecht, schon klar, aber muss man es noch so viel ungerechter machen?? Es wäre mir nicht so aufgefallen, wenn ich das hier nicht so nah mitbekommen hätte.

    Dabei scheint mir in dem Influencer- Fall die Stadt (übrigens in Bayern - das ist da bei mehreren Städten so, dass die Presse und alle mit Gas geben) schon sowieso komplett hinter ihrem Kandidaten zu stehen.


    Ok. Ihr wisst jetzt ein bisschen mehr von Popshop und von meinem Wutpegel.


    Es stehen viele tolle Initiativen zur Abstimmung, die Anerkennung verdient haben, da ist eine Gefangenenzeitung bloß eine von vielen, schon klar. Aber irgendwie leuchtet es mir heute nicht ein, dass man genau dann Anerkennung bekommt, wenn man sowieso schon die besten Voraussetzungen für viel Anerkennung hat.


    Sonst würde bestimmt nicht eine Stadttauben-Initiative vor einer Initiative für FASD-Kinder oder Freizeit- und Hausaufgabenbetreuung in Problemvierteln stehen. Aber das führt jetzt wirklich zu weit...


    Chris,ich hoffe, du verzeihst mir, dass ich noch ein Thema mit diesem Thema aufgemacht habe.

    Das ist echt der Hammer, Kadima.

    Wie gesagt: ich sehe alles ein, wenn dadurch auch wieder mehr möglich ist, aber so?


    Ich wünsche euch, dass sich das ganz bald ändert und wenigstens die Trennscheibe weg kommt!

    Und anfassen erlaubt.


    Ich verstehe Bayern nicht, da haben die einerseits im Gegensatz zu den meisten Bundesländern keine Maskenpflicht mehr im Schulunterricht (30 Kinder oder Jugendliche in einem Raum), aber in Haft müssen zwei Geimpfte die Trennscheibe kriegen?

    Mit Anfang Oktober ist ja der Test zahlungspflichtig und irgendwie schön das die Gelegenheit zu sein, genauer zu gucken und dann innerhalb dafür mehr zu ermöglichen.

    Das scheint echt so ein Stichtag gewesen zu sein.

    In Herford kommst du meines Wissens als Besucher nur noch mit 2G, also geimpft-genesen rein.

    In unserer Kirchengemeinde ist auch auf umgestellt worden auf 3G und getestet ist ebenfalls PCR. Der Vorteil ist, dass man dann mehr Leute in einen Raum lassen kann, die Abstände wegfallen und sich dann sogar ohne Maske begegnet. (Allerdings letzteres jedenfalls hier noch nicht im Knast)


    Ich kann nur jedem raten, sich vorher zu erkundigen.

    Für dich tut es mir total leid!!!!

    So eine Enttäuschung für euch beide. Oh Mensch. Durftet ihr ich zum Trost wenigstens kurz telefonieren?

    Das klingt für mich auch nach einer guten Idee. Genau, geistig fit bleiben und aus Mist Dünger machen.

    Stift und Papier ist ein Anfang. Aber man schreibt ja ein Buch nicht wie einen Aufsatz von A bis Z, man liest sich ein, strukturiert, ordnet die Themen zu... Das kannst du durchaus in Haft machen. OK ich gehe von einer Einzelzelle aus

    Hallo Nordlicht, du scheinst von dem Gedanken bestimmt zu sein, dass die JVAs von jedem Häftling die Arbeitskraft auspressen, denkst du vielleicht noch, dass die damit Gewinn machen?

    Die sind froh, wenn sie für jeden eine sinnvolle, den Fähigkeiten angemessene Beschäftigung finden.

    Ansonsten geht der Sicherheitsaspekt immer vor.

    Da du nicht schreibst, was deine "interne Selbstbeschäftigung" sein soll, ist eine Antwort auf deine Frage schwierig.


    Rechne damit, dass du kein Telefon, kein Internet und keinen Zugang zu einem normalen Konto haben wirst. Da fallen viele berufliche Tätigkeiten in Selbständigkeit weg...

    Ich hab nicht genau verstanden, was davon dein Partner ist und was du selber denkst.

    Hier nochmal die Sätze, wo ich die Augen gerollt habe.


    Ich weiß, dass fähige Bewährungshelfer kein Auge zudrücken. Gerade bei Suchtmitteln nicht.


    Uns geht's finanziell gut, aber wenn einer von uns ohne Absprache 300€ vom gemeinsamen Geld nur für sich ausgeben würde, würde der andere Stress machen, und wenn es ein Yoga-Kurs wäre.


    Nicht erwischen lassen. Klingt etwas unreif. Wie alt ist der Gute?


    Du bist nicht die erste hier, die "gegen Drogen sein" mit "Spaßverderber" und "Spießer" in Verbindung bringt.

    Das ist eine bewährte Methode zur Kritikabwehr, klar, aber bitte, was für eine kranke Auffassung von Spaß und coolem Leben steckt da dahinter.


    Den Schuh würd ich mir nicht anziehen.

    Ich überlege gerade, welche Tätigkeit, die in Haft von Gefangenen ausgeführt wird, die Knie noch weiter kaputt macht? So viele sind das nicht. Keiner, wo man nur steht oder knien muss.

    Es ist doch ganz normal, dass man je nach Tätigkeit trotz Verletzung noch/ wieder als arbeitsfähig gilt. Eben wenn man den Beruf trotzdem ausüben kann.


    In Herford musst du dich an den Haftkosten beteiligen, wenn du nicht arbeitest oder auch wenn du deine Arbeit schuldhaft verlierst, z.B. weil du in der Werkstatt eine Schlägerei angefangen hast und deshalb rausfliegst (bis du was anderes kriegst).

    Dann kommst du mir Schulden raus. Kein guter Start in die Freiheit

    Ich meine, man darf auf jeden Fall sagen, was der Anklagepunkt ist. Also was ihm vorgeworfen wird

    Du kannst es ja bei deinem Besuch vorher den Beamten fragen, oder du übst dich in Geduld, bis der Anwalt dich informiert.

    Mich würde das auch unruhig machen.

    Mal doof gefragt. Müsste der Freund nicht wissen, worum es geht, also weswegen die Staatsanwaltschaft die U-Haft beantragt hat, was man ihm vorwirft? Oder darf er auch das nicht beim Besuch sagen?

    Und der Staatsanwalt, kann man den nicht auch kontaktieren?

    Es betrifft nicht mehr deine Eingangsfrage, aber ich würde auch keinesfalls die 6000€ für ihn bezahlen, ohne dass du nähere Auskünfte vom Anwalt oder besser noch vom Gericht hast.

    Zum einen: Das zu Unrecht gezahlte Kindergeld muss ja noch irgendwo sein. Du schreibst, sie hätten sich nicht abgemeldet und dementsprechend sei es weiter gezahlt worden. Dann ja wohl auf ein Konto in D?

    Für mich klingt es auch nicht nach Schlamperei, sondern nach bewusster Unterschlagung


    Dann schreibst du, sie seien zusammen getürmt, weil ihnen das Jugendamt die Kinder wegnehmen wollte. Und dann wurde das Kindergeld einfach weiter gezahlt? Da muss doch aktenkundig gewesen sein, dass es keine Kinder mehr in der Familie gibt, wenn das Jugendamt schon eingreifen wollte.

    Oder da gab es noch andere Gründe, um die Zelte in D abzubrechen. Ich wäre an deiner Stelle etwas misstrauischer. Du weißt nicht, ob du alles weißt.