Das Aus für Jailmail

Briefkontaktseite

Wir alle haben es Anfang dieses Jahres bemerkt, die Briefkontaktseite Jail-mail.net ist offline.

Über die Kontaktseite des Knastforums häuften sich Ende letzten Jahres die Anfragen ob wir Briefkontakte zu Gefangenen vermitteln, die ich immer wieder mit einem NEIN beantwortet habe.

Wie einige Mitglieder wissen, war ich auf Jailmail nicht gut zusprechen gewesen, weil die Webmistress Erna und ich beim Aufbau dieser Briefkontakte völlig zerstritten haben. Trotz aller Differenzen habe ich Erna nie schlechtes oder den Misserfolg gewünscht, wir haben halt einfach nicht mehr gesprochen.


Vor einigen Monaten habe ich den Kontakt zu Erna wieder aufgenommen und als wenn nie die Jahre durchs Land gezogen sind, sofort ausgiebig gequatscht. Man sollte ruhig häufiger über seinen Schatten springen.


Über das Endgültige aus von Jail-mail.net bin ich natürlich entsetzt gewesen. Damit bricht eine wirklich, auch in den Knästen bekannte und wichtige Briefkontaktseite für die Strafgefangenen weg.

Ich weiß das Erna mit viel Herzblut und Engagement an Jail-Mail gesessen hat, denn so eine Seite zu betreiben ist nicht mal eben gemacht und Gewinne erzielt man da keine, genauso wie ich mit dem Knastforum.

Eine Absicht oder auch nur die Überlegung so eine Briefkontakteseite für Strafgefangene zu eröffnen habe ich nicht. Denn so ein Projekt aufzuziehen benötigt viel Zeit und Geld und die habe ich nicht.


Die Vorgänge die zur Schließung Ihrer Seite geführt haben kann keiner besser erzählen, als die Betreiberin Erna.

Daher möchte ich sie hier zu Wort kommen lassen:


Aufgrund von wiederholt hochgeladenen Videoclips auf der Plattform tik-tok, für die meine Website missbräuchlich benutzt wurde, musste ich meine Website, also die Plattform und damit Lobby der Inhaftierten ganz schnell deaktivieren, um einen weiteren Missbrauch zu
verhindern. Nach langer und reiflicher Überlegung habe ich mich dann zur Auflösung von Jailmail entschlossen.


Bereits im Frühjahr 2020 musste ich auf meiner Website das Kontaktformular, mit dem neben einem Brief mit einem Gefangenen Briefkontakt aufgenommen werden konnte, deaktivieren. Normalerweise erreichten mich so zwischen 250 und 350 Kontaktformulare im Monat zur Weiterleitung an die Jungs. Im März hatte ich plötzlich 700 und Mitte April habe ich bei knapp 1000 Formularen die Bremse gezogen! Zu diesem Zeitpunkt wurde ich auch vermehrt über erschienene Videos auf TikTok informiert.


Daraufhin setzte ich das Kontaktformular dann bis zum Dezember 2020 aus und habe es in der Adventszeit, da die direkten Briefe an die Jungs zur Weiterleitung immer weniger wurden, wieder aufgenommen.


Bereits eine Woche später erschienen wieder die ersten Videos. Aufmerksame Jailmailerinnen haben mich darauf aufmerksam gemacht. Da hatte ich dann schon innerhalb von 30 Stunden rund 109 Kontaktformulare. Und ich befürchte, die Allerwenigsten davon waren ernst gemeint, da sie aus einer undefinierbaren Laune oder Corona-Lockdown-Langeweile, u.a. auch von vielen minderjährigen Teenagern, ausgefüllt wurden. Kostet ja nix, außer mir und das war den Girlies
scheißegal. Was für lau angeboten wird, nimmt man halt mal eben so mit!


Nach weitergehenden eigenen Recherchen bin ich auf zwei weitere Videoclips gestoßen. In diesen wurde nicht nur meine Website, obwohl sie bereits deaktiviert war gezeigt, sondern auch die Briefe der Gefangenen mit denen die zwei Mädchen schreiben. Es wurden Daten genannt, nach den Straftaten gegoogelt und diese Ausdiskutiert. Alles schön öffentlich auf einer großen Internetplattform. Mir klappte schier der Kiefer runter! Ich persönlich empfinde dies als
enormer Vertrauensbruch dem Brieffreund im Gefängnis gegenüber!


Im Frühjahr letztes Jahres hatten die Mädchen die Videos auch noch selbst gelöscht, nachdem ich sie auf das Copyright meiner Seite aufmerksam machte und mit einer Anzeige drohte, oder die Clips wurden von TikTok gelöscht. In der "2. TikTok-Welle" war es so, dass die Mädchen diese nicht mehr löschen, auch TikTok als Betreiber der Seite nicht, sondern eher pampig und völlig uneinsichtig reagieren. Daraufhin habe ich meine Website nicht nur deaktiviert, sondern komplett runtergefahren.
Ebenso die Jailmail-Seite auf Facebook, denn außer Klugscheißerei, die ich kritisierte und daraufhin ein Haten meiner Person, kam dort nichts Konstruktives von den Leuten. Und einem Shitstorm setze ich mich bestimmt nicht aus, das habe ich nicht nötig.


Zuerst wollte ich noch in die Offensive gehen und ein Gegenvideo hochladen. Jedoch hätte das dem sprichwörtlichen "wie Perlen vor die Säue werfen" geglichen und nichts gebracht, als unnötige Zeitverschwendung. Um zu begreifen, was da für mich an Arbeit und Kosten dahintersteckte reicht den TikTokern das Denkvermögen gar nicht aus oder sie sind zu egoistisch einzusehen, dass diese Aktionen einfach und schlicht Scheiße sind. Dafür ist die Sucht und Gier nach "Likes" viel zu groß! Wofür auch immer man die für sein Ego braucht!? Um das zu verstehen bin ich vielleicht schon zu alt...


Somit habe ich zu Ende Februar 2021 Jailmail abgewickelt. Nicht einfach mit einem Cut, sangund klanglos. Das ist nicht meine Art! Zuerst schrieb ich einen Brief an alle verbliebenen ca. 500 aktiven Inserenten. Erhahltene und noch verschlossene Briefe von Gefangenen, die bisher nicht bei mir inserierten, habe ich mit einem entsprechenden Vermerk zurückgehen lassen. Alle anderen wurden noch von mir bis zur 3. Woche im Februar beantwortet. Zu Ende Februar war dann auch mein Jailmail-Postfach gelöscht. Briefmarken, die übrig waren, habe ich anteilmäßig mit einem "Finalen Brief" an einige der Gefangenen zurückerstattet.


Man darf mir glauben ich habe mir diese Entscheidung alles andere als leicht gemacht. Es hat mich viele Nächte gekostet, in denen ich wach gelegen habe, mir darüber Gedanken machte und grübelte. Aber ich drehte mich damit immer nur im Kreis. Die Desaster auf TikTok, mit den Videoclips, hätten nicht geendet und alles nur noch schlimmer gemacht.Mal nebenbei erwähnt: Die Jungs sendeten mir zwar Briefmarken zum Frankieren der Briefe an sie, aber insgesamt beliefen sich die Kosten pro Kontaktformular auf ca. 1,00 Euro. Liest sich nicht viel, aber in der Menge macht das viel aus. Abzüglich der 80 Cent von den Jungs blieben da immer noch 0,20 Euro Eigenanteil an mir hängen. Das macht bei 1000 Kontaktformularen schon mal roundabout 200 Euro im Monat die ich aus eigener Tasche bezahlt habe und ansonsten weiterhin hätte müssen! Und das für Massen an Briefkontaktanfragen, die überwiegend Fake-Anfragen gewesen wären, die aus TikTok resultierten. Die "Dunkelziffer" wäre wohl noch höher gewesen, da die Kontaktformulare mit großer Wahrscheinlichkeit durch noch mehr "Trittbrettfahrer" auf TikTok -nur um verdammte Likes zu erhaschen- nicht weniger sondern mehr geworden wären!!!

Das hätte ich finanziell auch gar nicht mehr stemmen können und natürlich auch nicht gewollt! Aus Jailmail ein Geschäft machen, also kostenpflichtig?
NO WAY! Es war mein Hobby, mein Baby und machte mir Freude. Allerdings tat es das dann seit fast einem Jahr nicht mehr, weil es ständig irgendwie sabotiert wurde. Und wer will schon ein Hobby betreiben, das im Monat im Durchschnitt ca. 200 Euro kostet, in der Woche ca. 20 – 30 Stunden in Anspruch nimmt und keinen Spaß mehr macht? Eben, niemand. Und warum hätte ich das dann tun sollen? Ich will auch noch erwähnen, dass die meisten meiner Jungs, so nannte ich meine Inserenten aus den Gefängnissen, Verständnis für meine Entscheidung hatten. Gegenwind aus Shitstorm und Beleidigungen habe ich ausschließlich von den Leuten außerhalb der Haftanstalten erfahren!


Damit war meine Devise wieder mal bewiesen:


Das Böse ist nicht in den Haftanstalten.
Es ist außerhalb der Gefängnismauern
und das macht mir mehr Angst
als die Jungs hinter Gittern!